Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Die Natur / von G. Schwalbe ...
Entstehung
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rote Punkt, die sich gegen das stumpfe Ende hin zu einem starken Fleckenkranze ver­dichten. In den aus Laub- und Nadelholz bestehenden, sogenannten gemischten Be­ständen hält sich der Ziegenmelker (6npr1mnlKU8 europueus) verborgen. Der Länge nach dicht an den Ast, auf dem er sitzt, angeschmiegt, gleicht er in seiner Fär­bung häufig der mit Flechten bewachsenen Rinde so sehr, daß es schwer fällt, ihn zu erkennen. Er bebrütet am Boden, ohne ein Nest gebaut zu lxrben, seine weißen, bräunlich gefleckten Eier, hier hört man besonders häufig den Ruf des Kuckucks, der ebensogern nackte Raupen und andere Insekten, wie langhaarige Niefernspinner, Prozessionsspinner und Bärenraupen verzehrt Bei 3H untersuchten Kuckucken fand ich im Magen: sechzehnmal behaarte Raupen (kiomkvx ukustriu und rubi, ^.rctlu oaju), fünfmal nackte Raupen (Kohlweißling, Eulen, bes. Numtzstru pisi, Spanner- raupen), neunzehnmal Käfer (Maikäfer, Laufkäfer, Oeotrnpes, tlptlsens), ferner Orzllotnlpu vulgaris, OrMn8 cumpestris, Oimbsx-Larven, Libellen und macherlei Larven. Dafür, daß er oft seine Beute am Boden findet, spricht der Land, der vier- zehnmal in Mengen bis zu 2,5 8 nachgewiesen wurde. Diese Beobachtungen zer­stören eines der vielen Märchen, welche sich bis in die Neuzeit erhalten haben, näm­lich die von den Teleologen immer wieder vertretene Ansicht, der Kuckuck sei, weil er nur behaarte Raupen fresse, dazu geschaffen, unsere Wälder vor dem schädlichen Fräße der behaarten Raupen zu schützen. Richtig ist, daß der Kuckuck neben vielen anderen Insekten auch starkbehaarte Raupen frißt, welche von anderen Vögeln ver­schmäht werden. Auch der Gedanke, daß der Kuckuck, um seine Aufgabe, behaarte Raupen zu fressen, erfüllen zu können, keine Zeit habe, ein Nest zu bauen und die Eier zu bebrüten, wird leicht widerlegt durch den Hinweis auf zahlreiche fremdlän­dische Kuckucke und Stärlinge, welche ganz ähnliche biologische Eigenschaften zeigen. Ebenso läßt sich sehr leicht erklären, wie es kommt, daß man öfter die übrigen In­sassen des einen Kuckuck beherbergenden Nestes tot am Boden findet. Das

Nestchen ist überfüllt, denn es ist in ihm das ganze Gelege der Pflegeeltern und der Kuckuck erbrütet worden. An und für sich ist letzterer größer und kräftiger als jene, er hält seinen weiten Schnabel stets zuerst den fütternden Vögeln entgegen und ver­steht es, manchen Bissen den übrigen Jungen wegzuschnappen. Sein anfangs nur ganz spärlich befiederter Körper empfindet sehr stark die Wärmeabgabe an die Luft; er friert, und genau wie die jungen Hühnchen zusammenstehend eines wärmesuchend unter die anderen schlüpft, so schlüpft er unter, um gleich darauf seinen dicken Kopf mit weitem Schnabel und großen Augen wieder hervorzustrecken und bei der nächsten Ankunft der fütternden Alten sich wieder vorzudrängen. Ist der Nestrand hoch genug, dann werden die anderen Vögel, unter welche er untergeschlüpft war, von seinem Rücken bei diesen ungestümen Bewegungen wieder in das Nest zurückfallen, andern­falls wird es leicht Vorkommen, daß bei diesen Bewegungen der Nestinsassen einer über Bord fliegt.

Auch die Spechte lieben Laub- und Nadelhölzer in Abwechselung, da hämmert der große Buntspecht (Dicns (Vvärvovpusj major), auch der mittlere Buntspecht wird, wenn auch selten, beobachtet, selbst der kleine Buntspecht (?iou8 minor) fehlt nicht, der Grünspecht läßt am ersten warmen Frühlingstag seinen lachenden Ruf er-