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Verdienst deutet, das noch durch die beigefügte Bemerkung bestätigt wird, er habe sich s575 gegen Polen ritterlich gehalten. Auch wird er ckuris ukrlusyus Vicenkiutus und in der Unterschrift seines Bildes das Entzücken des Jahrhunderts genannt; ob er einem nachweisbaren Ratsgeschlechte zu Cölln an der Spree entstammt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Sein wahrscheinlich einziges Werk, eine metrische und mit Zusätzen versehene lateinische Übertragung der Sprichwörter Salomonis („Droverbls. Sntomonls eurmiiw elkAinco roääitu"), ist um 1370 in Gent erschienen, aber auf deutschen und belgischen Bibliotheken nicht nachweisbar.
Der geborene Tüstriner Joachim Frifich(iusft) f >638/84) war durch seinen Lebenslauf sehr bald der märkischen Heimat entrückt worden. Gr hatte das Gymnasium in Stettin besucht, dann in Wittenberg zwei Jahre Philosophie und Theologie studiert, mußte aber s660 wegen Brustschwäche zur Rechtsgelehrsamkeit umsatteln. Auf eine Hofmeistertätigkeit in Kurland folgte ein erneutes Studium, diesmal der Mathematik, in Königsberg; er war dann Professor dieser Disziplin in Thorn, saß auch als Schöppenaltermann im Rate der Stadt und hat die letzten drei Jahre seines Lebens in Riga als Lehrer der Rechtsgelehrsamkeit und der Mathematik zugebracht. Seine Schriften behandeln meist juristische, sprachliche und theologische Dinge; er gehört nach seiner ganzen geistigen Entwicklung aber zu jenem Kreise unter märkisch-humanistischem Einflüsse stehenden Männer. Als Dichtwerk erschien von ihm — merkwürdigerweise aber in deutscher Sprache — 1672 ein „poetisches Blumenfeld", das in einem einzigen Exemplare in der Prager Universitätsbibliothek vorhanden ist. Die Reimereien dieses Buches sind ohne jeden dichterischen Wert, es sind Sinngedichte in schlichtesten Versen, die nach Art der Spruchdichtung Regeln der Lebenserfahrung und Lebensbeobachtung, des nüchternsten Menschenverstandes geben, wie z. B.:
Die Propheten und Poeten Wollt' man Alle gerne tödten:
Niemand kann sie denn ertragen,
Wenn sie ihm die Wahrheit sagen!
oder:
oder:
wer kräftig lehren will, Der ihn nach seiner Lehre; Der Lehre giebt man Lob, Die Werke geben Ehre!
wer nicht verstehen will. Was Lrnst sey oder Schert;, Der ist ein Lrdenschwamm Und hat kein echtes Herz.
i) Vgl. über ihn IScher, Allgemeines Gelehrtenlexikon, wo er fälschlicherweise unter Frisch verzeichnet ist. Außerdem noch der kleine Aufsatz von D. Schwebe!, Lin neu entdeckter märkischer Dichter im Bär, Bd. 2 , Nummer vom x5. Juli >877. — Die bereits eingeleiteten versuche, aus den Beständen der Stadtbibliothek zu Riga Näheres über Joachim Frisich zu erfahren, wurden durch den Ausbruch des Krieges im August » 9 t 4 vereitelt.