Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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In denselben Kreis gehörte Albrecht Friedrich Mellemann, in Berlin 1558 als Sohn eines Landsyndikus geboren, der vordem sächsischer Söldnerhauptmann gewesen war: vom Bagantenblute des Vaters war mehr wie ein Tröpflein in des Sohnes Art und Wesen übergegangen. Lr studierte in Frankfurt und bildete sich auf Reisen in den, außerdeutschen Kulturländern Europas zumMann von Welt"; er war der Typus des Berliner Stutzers im 16. Jahrhundert, der Dichtkunst und Wissenschaft als kavaliermäßige Passionen, als vornehmen Zeitvertreib pflegte. Sein Bild in der genannten Seidelschen Sammlung weist kriegerisch-energische Züge auf, in der Blütezeit seines Lebens ist er dargestellt, in ritterlicher Tracht, mit gesticktem Aragen und schwerer Brustkette; die reiche, über und über gesteppte Kleidung wird durch das schön gearbeitete Degengefäß ergänzt. Die Unterschrift unter diesem Porträt bezeichnet ihn, von dessen Lebensausgang uns nichts bekannt ist, als Vatos mollikluu«, als honigträufelnden Sänger; wenn auch seine in der Bibliothek des Grauen Klosters zu Berlin aufbewahrte Schrift, ob es einem Manne der Wissenschaft wohl anstehe, verheiratet zu sein, weder in Form noch Inhalt zu solcher Lharakteristik passen will, so wird diese doch durch manche Eigentümlichkeit seiner Gedichte bestätigt, die entgegen der Meinung Gskar Schwebels in der Berliner- Königlichen Bibliothek vorhanden sind. Zarte und zierliche Verse finden sich da, niedlich in ihrer Form, ihrem Gegenstand, in ihrer Kürze. Die Überschriften bieten Gelegenheit zu manchem Wortspiele: Bro IsZo et pro ZreZe, oder cVnnns prokort kruZus, non nger, oder I'uellne kallux oratio, oder 8poro, du in spiro und ähnliche. In fünf Büchern faßte Mellemann seine Gedichte zusammen zwei prosareden sind der Ausgabe angehängt; manchmal sind auch die großen Wendepunkte des menschlichen Lebens, wie Ruptiao oder Oditns, seine Themen, aber den Widmungsgedichten an Freunde und Gönner, wie z. B .an den Magdeburger Erzbischof Joachim Friedrich von Brandenburg wird seine Kunst und Art eher gerecht. Wenn er sich die Mühe nimmt, einen ernsteren Ton anzuschlagen, zeichnet sich sein Stil und Ausdruck durch sorg­fältigen Schliff aus, wie in folgenden Versen ^ d doi kiliuin:

Rats dei, (juo nos nasoento renaseiinnr ornnes,

Lt naeti vitain ^uo morionto suwus;

k'ao, in ts vivam: nam mors, non vita putancla

blst daoo, 6 Hug, non lueet ima^o doi.

Tuno iu mo voro divina nitobit imaxo,

HuLolibet ad nutum si rationis Lt si praosoripto montis so pevtora subdant, si oonooidot oum rationo ^oour.

Asm soour a oorebro, yuam oor, oum lon^ius sbsit,

^rma iinpuno maxis soditiosa oapil.

Luppotias si Otwists toras, mens prinoipis instar,

Oorporis et pars buio nulla rebellis erit.

Line reichlich problematische Natur war Nikolaus Leutinger 0554/1612), bei dem sich die neuen Formen und Gedanken, die Umgestaltung der ganzen Wesenheit in eine auch an anderen Beispielen zu beobachtende Rast- und Ruhelosigkeit umsetzte; ein