Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
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ungestümer Freiheitsdrang war ja eine häufige Eigenschaft der Renaissance und ihrer Menschen. Alle Vorschläge und Versuche, ihn seßhaft zu machen, scheiterten:alles war ikm unangenehm, mochte ihm nun ein Uirchenamt oder eine Heirat angetragen werden". Leutingers Vater stammte aus Erfurt; Nikolaus war in Alt-Landsberg geboren, hatte auf der Fürstenschule zu 5t. Afra in Meißen und in Wittenberg die humanistische Bildung erhalten, bis ihn das kurfürstliche Edikt seines Landesherren, daß niemand auf Be­förderung in irgendwelchem Amte zu rechnen habe, der nicht in Frankfurt a. d. D. studiert hätte, dorthin rief. Er war dann Rektor in Erossen und Spandau, erhielt auch die väterliche Pfarrstelle in seinem heimatsorte, doch gab er sie nach drei fahren wieder auf und zog auf weiten Wanderfahrten durch Europa. So war sein Leben ein immer­währendes Auf und Ab, und die sehnsüchtige Rastlosigkeit seines Eharakters ließ ihn nicht dazu kommen, von dem Reichtum seiner vielseitigen Gaben einen für die Allgemein­heit und sich nützlichen Gebrauch zu machen. Die Liebe zur märkischen Heimat trieb ihn nach eigenem Geständnis f6f2 wieder aus der Fremde zurück, doch war er seelisch, körper­lich und geistig völlig verbraucht und zerrüttet, so daß er nirgends einen halt ge­winnen konnte . . . verkommen und verlassen ist er schließlich im märkischen Städtchen Gsterburg gestorben. Auf seinen mannigfachen Reisen hatte er seinen Blick und sein Urteil geschult und geschärft, was seinen geographischen Schriften über die Mark Branden­burg zugute gekommen ist; es finden sich in ihnen die Ansätze zu einer pragmatischen Schilderung der Ereignisse, deren Darstellung an die betreffenden Ortschaften angeschlossen wird. 1598 ließ er 6nrminum librl V erscheinen, in denen neben dem beliebten Thema der Epigramme über Tugenden manche Gelegenheitsgedichte stehen, in welchem er auch dem Unbedeutendsten durch eine beträchtliche Formgewandheit einen gewissen Reiz ab­gewinnen kann, wie sich dies in etlichen Versen an den damals mächtigen Thurneyßer ausspricht, von denen ich einige ansühre:

Ingens nobiliuiu cleens virnrnm,

Unxoi seeptrixerl äueis meäeln, hnem enelnm veuerntnir, nstrn Inuännt,

Uorti 8ll8pieiuot tüvmis rekertis,

Impeuäeutin kntn Mein versntur . . .

Vst ist das Muster und Vorbild des Theokrit deutlich zu erkennen; auch Leutinger besitzt das beträchtliche Einfühlungsvermögen, jene Anschmiegsamkeit der Gedanken und ihres Ausdruckes, das das charakteristische Merkmal dieser ganzen geistigen Periode ist. Seine eigene Note besteht in einer Vereinigung einer fast fatalistisch-unbeugsamen Reli­giosität mit dem befreienden Geiste des Humanismus; eine schlichte Frömmigkeit spricht aus Versen wie:

Homo peeentor tllium Del.

8unt men eunetn Ina, nt c^uns sunt sine erimiue eunetn, (june mnln 8nut men sunt, qune bonn 8unt tun sunt.

Vt kamen illn mala, in rosen bona sanAuine tinnt Ollriste tuo: Ilona sunt sie tidl eunetn men.

Brandenburglsche Landeskunde. Bd. IV. 15