236
schmähsüchtige Gegenschrift verfehlte in Berlin ihre Wirkung, so daß Thurneißer im ' selben Jahre nach dem heimatlichen Basel übersiedelte, sich aber dort durch die Schließung einer dritten Ehe die Veranlassung zu seinem wirtschaftlichen Ruine schuf. Die Zerrüttung seiner Vermögensverhältnisse ließ ihn Berlin und den kurfürstlichen Hof, wohin er wieder zurückgekehrt war, von neuem meiden; als er Johann Georg im Sommer (58H auf einer Reise nach Dresden begleiten sollte, benutzte er diese Gelegenheit zur Flucht und führte dann über ein Jahrzehnt ein Wanderleben, das sich völlig unserer Aontrolle entzieht; ein von ihm sSsis in Frankfurt a. Bk. veröffentlichter Aalender mit einer Vorrede über den Wert (d. h. Unwert) der Magie ist das letzte von ihm bekannte Werk; in einem Aloster zu Löln soll dieser Typus des geistigen Lebens seiner Zeit sein Dasein beschlossen haben, der aber doch schon kraft seiner Intelligenz in seinen besten Stunden manchen Blick tun durfte in die Möglichkeiten und Ergebnisse einer nach wissenschaftlichen Voraussetzungen und Grundsätzen geordneten Naturerkenntnis?)
H Außer dem Thurneyßer gewidmeten längeren Abschnitt in I. L. w. Moehsens Beiträgen zur Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenburg, S. 55/198, nenne ich von der hierher gehörigen Literatur noch neben dem Hinweis auf seinen handschriftlichen Briefnachlaß in der Berliner Königlichen Bibliothek und dem Romane D. Schwebels in Der Bär, Bd. 10, lS8H, der Thurneyßer zur Hauptperson hat —: T. Becker, L. Thurneyßer zum Thum; mit besonderer Berücksichtigung seines Aufenthaltes in Münster und Berlin, in der Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde (Westfalens), Bd. 1, 1838, 5. 2-n/SH. — Th. Gdebrecht, Beiträge zur richtigen Würdigung Thurneyßers in Märkische Forschungen, Bd. 7 , 1861, S. 192/209. — I. Heidemann, L. Thurneyßer in: ADB., Bd. 38, S. 226/9. — Ich habe in meinen knappen Literaturangaben nur selten die betreffenden Abschnitte der ADB. erwähnt; ich brauche die Selbstverständlichkeit nicht zu betonen, daß ich dem Reichtum dieser überströmenden «Duelle eine Fülle von Details sowie auch die Erkenntnis größerer Lntwicklungslinien verdanke. — Herrn Prof. Or. I. Balte, Berlin, sage ich gleichzeitig auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank für so manchen Hinweis und Ratschlag, den er mir aus seiner eingehendsten Kenntnis der Literatur des I6./17. Jahrhunderts in immer bereitwilliger Liebenswürdigkeit hat zuteil werden lassen.
von den Thurneyßerschen Schriften zitiere ich hier zunächst die, welche, als im „Grawen Kloster" gedruckt, von Interesse sind: Arckidoria handelt von der Wirkung und Kraft der Planeten; die erste Auflage erschien 1570 in Münster i. W., die zweite 1573. Die Widmung ist an Ferdinand von «Österreich gerichtet, wohl in Erinnerung an die oben erwähnte Bergwerkstätigkeit. Im selben Jahre veröffentlichte Thurneyßer dann noch als Ergänzung dazu „gesprächs- und reimenweis" Kxpliontiovss; 157-1 war in Leipzig die «Quinta Kssentin mit der Dedikation an den Rat zu Münster erschienen, eine Darstellung der „nützlichsten Künste der Medicin vnd Alchemy".
— Der oben erwähnte Pison ward vollständig 1572 in Frankfurt a. d. O. veröffentlicht, ein Buch über „Wasser vnd Pflanzen, mit großer Mühe und Arbeit gemeinem Nutz zu gut an Tag geben"; Buch 7, Kap. 79, S. 351/68 enthält den Abschnitt über die „Sxrew" und ihre Nebenflüsse, woraus ich einige Sätze anführe:
„Das Wasser Sxrew ist etwas grünferbig vnd lauter. Ls führt in seinem Schlich Gold vnd ein schöne Glasur. Das Gold helt 2z Erat */z gren. — Ls läufst vnder der Stadt Berlin in die Sxrew ein wasser die Bancka genant welches sich vmb Landsperg vnd sonst aus den Seen vnd Mösern der enden samlet. Dis führet einen trefflichen Glaßsandt inn sich also das auch Lhristallein mit sampt dem Zusatz vnnd der Fritten daraus möcht gemacht werden."
Die , Historia sivs ässroiptio I'Ianturum tum äomsstionruva c;uLM exotienrum", die als Thurneyßers letztes größeres Werk 1587 in Köln a. Rh. herauskam, enthält sehr charakteristische Pflanzenillustrationen, behandelt aber im Texte fast nur geheimnisvolle Wirkungen und Beziehungen der Pflanzen, wobei allerdings auch richtige Beobachtungen mit unterlaufen.