Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1916) Die Kultur / von Robert Mielke ...
Entstehung
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Wohlgefallen zu erwecken vielleicht imstande waren, immer noch prosaisch genug; da­gegen geriet Schmidt bei der Schilderung alles Gewöhnlichen und Möglichen sehr bald ins Triviale, denn ihn interessierte jeder Dachsparren, jeder Maulwurfshügel, jeder Spatz, jedes beschürzte weibliche Wesen;er besang des Grabes Gntengrün, Schlafröcke, Manneshemden, Strümpfe und kleine ksalskornettchen, auch Windeln, Ainderzeug und Überzug von Bettchen". In formaler Beziehung suchte Schmidt wohl mit der Zierlich­keit und dem Wohllaute der Verse und Reime Matthisonsh zu wetteifern; wo aber

i) vgl. A. W. und Fr. Schlegel,Athenäum", zweiten Bandes erstes Stück >>799, S. 329; Neue Fabrik. Oer Prediger Schmidt zu Werneuchen hat die Kunst erfunden, aus den Fasern von Heidekraut, Oisteln, Binden, Mauerpfeffer u. dgl. einen etwas grobe», jedoch haltbaren Kattun zu verfertigen. Oie Stempel der darauf gedruckten Muster sind ebenfalls von seiner Hand, sie stellen teils einheimische Blumen vor, die nicht nur nach der Zahl und Größe Ser Blätter, sondern mit allen Staubfäden und Pünktchen auf das genaueste abgebildet sind, teils ländliche Hausgeräte, als Butterfässer, Kinder-Stühlchen, Bierkrüge. Auf einigen größeren zu Bettvor­hängen bestimmten Mustern sind die romantischen Gegenden um Werneuchen, Dörfer mit Kirch- - türmen, Windmühlen, Sandberge usw. angebracht. Bis jetzt hat er bloß privatversuche gemacht, da er diese aber verschiedenen gelehrten Gesellschafter vorgelegt und ihre Billigung erhalten, so ist er entschlossen, die Sache nunmehr ins Große zu treiben und besonders Landpredigers- Töchter dazu anzulernen. Zur Belohnung hat er sich nur ein Privilegium auf zehn Jahre erbeten. Man hofft, es könne ein bedeutender Handelsartikel für die Mark Brandenburg werden.

An das folgende Gedicht Schmidts knüpfen dann die Gebrüder Schlegel noch etliche Be­merkungen:

In der Nachtviole Grau verschmelzen Allgemach des Abends Rosengluten,

Schwebend in Gewässer, dessen Fluten Sanfter sich ans Muschelufer wälzen.

Müde von dem Gartensieiß: vom pelzen Junger Äpfelstämm' und Kirschenruten,

Rast' ich hier zur Seite meiner Guten Im Gebüsch auf Haselnußgehölzen.

Nun, mein Liebchen, wider Durst und Hunger Hol' uns keinen Lyper, keinen Unger,

Aber Milch in reinem Deckelglase.

Klapp' ein Tischchen auf in diesem Grase Daß wir fröhlich unsre Heidelbeeren Mit den lieben Kindern hier verzehren.

Schmidt von Werneuchen hat in der ersten Strophe Matthisons überladene Eleganz und fleißige Landschastspinseley, in der zweyten Voßens häusliche Behaglichkeit, und in den beiden letzten dreizeiligen Strophen seine sclbsteigene Lobpreisung des Dürftigen vorzuführen gewußt" (Athenäum, a. a. D., S. iSö/ 9 );Mißgriffe wie das Geschlepp der fünffüßigen Trochäen bey lauter weiblichen Reimen und die Umwegung eines solchen Stoffes in die gebundene Form eines Sonettes, wo das letzte Terzett, welches der konzentrierende Gipfel des Ganzen seyn soll, mit Heidelbeeren kümmerlich abgespeist wird: das sind Unglücksfälle, welche dem märkischen Dichter allein begegnen (ibidem)." Um dieVerwandtschaft und Abweichung der Manieren an­schaulicher zu machen", haben die Gebrüder Schlegel (a. a. G. S. dieFiction eines Wett­

gesanges zwischen den drey Dichtern" dem Schluß ihrer Besprechung angefügt,wo jeder im