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Fußstapfen zu treten, d. h. er wollte ländliche Szenen in realistischer Manier schildern und besingen. Nun waren Voß' schlichte Verhältnisse und Gegenstände, welche dem Leser
Statt der Dame, statt der Zofe Macht die Henne glul glu! glul Uns beschäftigt nicht der Pfauen,
Nur der Gänse Lebenslauf;
Meine Mutter zieht die grauen,
Meine Frau die weißen auf.
Laß den Witzling uns besticheln! Glücklich, wenn ein deutscher Mann Seinem Freunde Vetter Micheln Guten Abend bieten kann.
, Wie ist der Gedanke labend:
Solch ein Edler bleibt uns nah!
Immer sagt man: gestern abend War doch Vetter Michel dal
Und in unfern Liedern keimet Silb' aus Silbe, Wort aus Wort.
Vb sich gleich auf Deutsch nichts reimet, Reimt der Deutsche dennoch fort.
<Db es kräftig oder zierlich,
Geht uns so genau nichts an:
Wir sind bieder und natürlich,
Und das ist genug getan.
Will man auf Mohn- und Käsekuchen Den Nachbar über Feld besuchen:
So stößt und rüttelt uns gesund Ein Wagenkorb mit Strohgebund.
Dann unter Scherz und Lustgetändel,
Dünkt uns des Rades Duft Lavendel; Heuschrecken zwitschern uns im Korn; Langbeinig hüpft das Fohlen vorn.
Da sehn wir weiß die Erbsen bliiben Der Klapperrose Scharlach glühen;
Da schwebt erschreckt mit schnellem Flug Lin Kranich auf am Binsenlug.
Auch wandeln wir zu Fuß im Becken Der Wiesen über Heidestrecken,
Und bau'», verloren wir den Weg,
Uns über'n Graben selbst den Steg.
Will dann, bevor zum Dorf wir kamen,
Im Flugsand unser Fuß erlahmen,
So dient uns gern am Reigerpfuhl Lin Rasenhang statt FederstnhI.
Hier schmaust man aus den Jägertaschen,
Die Liebchens Hand gestrickt mit Maschen, Sein Butterbrodt in süßer Ruh,
Sucht wilde Beeren noch dazu;
Hört bei der Bleiche Leinwandstreifen Der Dirne Sang, des Schäfers Pfeifen,
Der strickend über Stoppelfeld '-Die Heerde treibt, die fröhlich schellt.
-'"Wenn Störch' entfliehn mit tausend Schwalben, Im Wald sich unsre Buchen salben,
An's Ufer, das beschäumt sich stemmt,
Der See schon dürre Binsen schwemmt;
Dann läßt sich's schön den Wald durchirren, Die Drosseln mit Ebereschen kirren,
Die man nach Haus im Knopfloch trägt,
Und Liebchen in die Schürze legt.
Dann hört man an des Hohlwegs Jähe Das Herbstgeschrei der Mandelkrähe,
Des Drescherflegels Klipp und Klapp Und schüttelt gelbe Birnen ab.
Ha! wollt Ihr nicht in euren Mauern Des Lebens kurzen Tag vertrauern Im Überdruß, in Lüg und Trug:
So kommt zu uüs und werdet klug!
An Literatur über Sch. v. W. nenne ich hier neben einem Aufsätze von B. Weger im „Bär", Bd. 8 , t882, S. l2o/H nur noch den Neudruck seiner Gedichte durch L. Geiger in den Berliner Neudrucken, dessen Einleitung eine gute Eharakteristik des. Gegenstandes bietet. . .