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sich in dieser „kleinen Affäre mit Goethe" ganz passiv. Allerdings lagen feine Vorbilder auf ganz anderen dichterischen Gebieten, denn er suchte in stofflicher Hinsicht in Voßens
Liebchen, komm auf meine Flur,
Denn besonders die Poeten,
Die verderben die Natur.
D, wie freut es mich, mein Liebchen, Daß Du so natürlich bist;
Unsre Mädchen, unsre Bübchen Spielen künftig auf dem Mistl Und auf unfern Promenaden Zeigt sich erst die Neigung stark; Liebes Mädchen, laß uns waden, Waden noch durch diesen Vuark.
Dann im Sand uns zu verlieren,
Der uns keinen weg versperrt I Dich den Anger hin zu führen, wo Ser Dorn das Röckchen zerrt!
Zu dem Dörfchen laß uns schleichen Nit dem spitzen Thurme hier; welch' ein wirthshaus sondergleichen I Trockner Brot und sauer Bierl
Sagt mir nichts von gutem Boden, Nichts vom Magdeburger Landl Unser Samen, unsre Toten Ruhen in dem leichten Sand.
Selbst die Wissenschaft verlieret Nichts an ihrem raschen Lauf;
Denn bei uns, was vegetieret,
Alles keimt getrocknet auf.
Geht es nicht in unserm Hofe wie im Paradiese zu?
Hier ziehn wir mühsam unter Stulpen Von Glas, Melonen nicht noch Tulpen Aus Hartem uns, doch Gurk' und Mohn Erfreu» uns Gaum und Auge schon.
Hier gnügen uns des Buxbaums Reitze, Umrankter Bohnenstangen Kreutze,
Für unsre Bräute höchstens ziehn wir noch ein Bäumchen Rosmarin, vertraulich sitzt man hier in Nischen von Bartnuß- und Hollunderbüschen,
Belauscht den Storch, der im Triumph Die Schlang' entführt vom Kalmussumpf. Ertappt den Feind der Gartensaaten,
Den Maulwurf mit gehobnem Spaten,
Und wagt am kleinen Bienenhaus Mit Räuberhummeln manchen Strauß.
Zu Mittag giebt's nicht wild noch Schnepfen, Nur Fliedermilch aus irdnen Näpfen,
Nur Erd- und Himbeern, frisch und roth, Geschnittne Raut' auf Butterbrodt.
Nach Tische sitzt man gern am Fenster,
Flieht keine Wespe wie Gespenster,
Die dreist ins Stübchen sich verirrt,
Und sumsend an den Scheiben schwirrt.
Hier duftet's unter Liebeskosen von roten und von weißen Rosen,
Die im Staket, vom Moose grün,
Und schöner als Limonen blühn.
Hier unterhält uns mit Geschnatter Der Erpel hinter'm Lattengatter,
Die Schwalbe, die am Schornstein schwatzt,
Der Hahn, der vor der Tenne kratzt.
Hier sieht man, wie vorm Taubenfalken Erschrocken unter Scheit und Balken,
Sobald die Henne warnend gluckt,
Oer Küchlein bunter Schwarm sich duckt;
Sieht ohne Furcht vor Flint' und Netzen Den Sperling seine Jungen ätzen;
Beguckt die Spinn' im Winkelnest,
Die sich herab am Faden läßt.
Des Abends sitzt man, froher Laune,
Noch gern ein Weilchen vorn am Zaune;
Sieht in der Lindenblüte Duft
Den Schuhu sliehn aus seiner Schluft;
Geht froh ins Bettchen, mag's auch wittern, Der Blitz schon fern im Westen zittern,
Und scheucht vorher die Fledermaus,
Die in der Kammer fliegt, hinaus.