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bei Potsdam als eines Geistlichen Lohn geboren, war er in den Zeiten Friedrich Wilhelms II. Prediger am Berliner Invalidenhaus und dann von (795 bis an seinen Tod Pfarrer zu Werneuchen in der Nähe von Wriezen. So lebte er abseits vom großen Literaturbetriebe und summte auf seiner brandenburgischen Landpfarre unbekümmert um Lob und Schimpf sein schlichtes Liedel. Lr gab 179? Gesammelte Gedichte „mit Kupfern und Musik" — zu einigen Liedern von I. F. Reichard — heraus, denen (8(5 ein zweiter Band folgte; im Vorberichte dazu hieß es in dem ersten Teile: „Ich glaube in den Gedichten etwas geliefert zu haben, was wohl von billigen Leuten neu genannt zu werden verdienet; selbst von schätzbaren Dichtern ist die Natur selten wahr kopiert worden." Die Mehrzahl der Gedichte hatte in der Göttingschen Blumenlese und im Vossischen Musenalmanache gestanden: auch hatte er von (793—(797 mit F. T. Bindemann eigene Musenalmanache herausgegeben, deren letzte Jahrgänge auch unter dem Titel „Aalender der Musen und Grazien in der Mark" erschienen waren. In der von Reichard redigierten Zeitschrift „Deutschland" ward nun Schmidts Aalender von (796 mit den Almanachen von Voß und Schiller zugunsten Schmidts verglichen und daran eine vernichtende Aritik von Goethes Venetianischen Epigrammen geknüpft . . . „der sittlichländliche Schmidt besinge sein liebes Dorf, daß ihn geboren und gesehen und schaffe simple kuriose Naturszenen, gewürzt mit Verachtung der großen Welt und ihrer Eitelkeit". Dagegen nun wandten sich die Genien mit dem bekannten Distichon:
Aalender der Musen und Grazien.
Musen und Grazien! Vst habt ihr euch schrecklich verirret;
Doch dem Pfarrer noch nie selbst die Perücke gebracht.
Goethe dichtete am (7. Mai (796 in Jena das siebenstrophige Gedicht „Musen und Grazien in der Mark", worin er die Schmidtsche Manier nach jeder Richtung hin in effektvoller, glänzender Satire geißelt; stofflich und formell ist Goethe hier ganz „Schmidtisch": er kannte diese Poesie so gut, daß er mit großem Glücke die merkwürdigen Reimwörter Schmidtscher Verse nachbildete?) Der dichtende Werneuchener Pastor benahm
vgl. im Goetheschen Gedichte die Reime: wenig—Aönig; tödten—Poeten; bist—Mist; Promenaden—Waden; stark — Vuark; besticheln —Micheln. Line Gegenüberstellung des Schmidt- schen Gedichtes: Der Landmann und der Städter (Gedichte, ;7A7, 5. Anhang!, welches das Vorbild Goethes bei der obengenannten Parodie war, mit dieser zeigt, wie geschickt Goethe den Ton des Driginales zu treffen wußte:
Goethe, Musen und Grazien in der Mark
(Heliosausgabe, Leipzig, Reclam, Bd. l, S.87/A).
G, wie ist die Stadt so wenig!
Laßt die Maurer künftig ruhn!
Unsre Bürger, unser Aönig Aönnten wohl was Bessers thun.
Ball und Gper wird uns töten;
Schmidt von Werneuchen.
Wollt ihr das Glück des Lebens finden, So sucht es hier in unfern Gründen; Sucht hier, was in der Stadt voll Dunst, Aein Geld euch schafft, und keine Aunst. Nehmt unsre Gärten euch zum Muster: V diese Hecken von Liguster,
Der Salbei blauer Beetensaum Gilt mehr als Mirt' und Sagobaum.