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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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kehren konnte. Aber auch dieser war sehr zuge­knöpft und erst mit der Zeit gelang es der Menschenkenntnis und Lebensklugheit des Raw, das Vertrauen seines Kerkermeisters zu gewin­nen. Auf Fragen, die seine eigene Persönlichkeit, sein Schicksal, seine nächste Zukunft betrafen, erhielt der Raw von dem Gefängniswärter keine oder nur ausweichende Antworten.

Von nächstliegendem Interesse war es für den Raw, zu wissen, ob er hier für alle Zeit lebendig begraben bleibe oder noch einmal das Tageslicht zu sehen das Glück haben werde, indem man ihn wenigstens vor Gericht stelle. Der ab­geschiedene, unterirdische Raum machte nicht den Eindruck eines Untersuchungsgefängnisses, er war vielmehr geradezu wie für Leute geschaffen, die man unter der Hand verschwinden lassen wollte, indem jede nur denkbare Verbindung mit der Außenwelt abgeschnitten war. Aber von seinem Wächter hatte er auf eine Frage über den Cha­rakter des Gefängnisses keine Antwort erhalten. Sein Scharfsinn ließ ihn jedoch einen Aus­weg finden.

Er leitete mit seinem Aufseher eine Unter­haltung ein, in welcher er von sich gar nichts erwähnte und die sich ausschließlich um den Auf­seher selbst, seine Stellung, seine Verhältnisse und dergleichen bewegte. Als letzterer auf die Frage des Raw ihm sein jährliches Einkommen mitteilte, meinte der Raw, er finde das sehr gering, wenn er nicht etwa noch Nebeneinkünfte durch die Ge­fangenen direkt beziehe.