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„Von den Gefangenen habe ich nichts," bemerkte darauf der Aufseher. „Denn sie besitzen ja selber nichts, sie müssen ja Geld und alle Wertsachen bei ihrem Eintritt abgeben."
„Das weiß ich wohl," entgegnete der Raw, „aber ich denke mir doch, daß die Gefangenen, die freigesprochen werden, in ihrer Freiheit ihres humanen Aufsehers in der Citadelle gedenken und sich nachträglich erkenntlich zeigen."
„Das ist richtig- die große Mehrzahl der Freigesprochenen gedenkt meiner und läßt mir öfter beträchtliche Zuwendungen zukommen."
Jetzt wußte der Raw, was er wissen wollte, daß die hier Eingekerkerten vor Gericht gestellt werden und daß sich unter den Gefangenen auch solche befinden, die wieder die Freiheit erlangen. Damit war ihm die nächste und für den Augenblick schwerste Sorge abgenommen. Dankerfüllten Herzens zog er sich in seine Zelle zurück und dankte Gott für diesen Hoffnungsschimmer. Er jubelte seinen Dank mit so innigen, freudigen Segenssprüchen zu Gott empor, daß der Gefängniswärter ergriffen von dieser Hellen, sonoren Stimme in betroffenem Staunen wie gebannt stehen blieb. Eine solche Stimme hatte er noch nie gehört und ein solch heiter jubelndes Gottvertrauen hatte er noch nie gesehen.
„Dieser Mann," sagte er leise für sich, „steht an der Pforte des Todes und singt so ausgelassen lustige Weisen, als ob's zum Tanz ginge. Und er dankt Gott, wo andere an ihm zu ver-