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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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Personalien der Gefangenen auf und gibt sie dem Gericht weiter. Fragt ihn einmal, er er- laubt's Euch vielleicht. Sollte er es nicht ge­statten, so wollen wir, wenn er die Feste erst wieder verlassen hat, sehen, ob es nicht ohne ihn geht."

Am Nachmittag kam in der Tat der Gens- darmerte-Oberst Dundukoff. Bevor er zu dem Ge­fangenen in die Zelle trat, erkundigte er sich bet dem Wärter über die Persönlichkeit des Gefangenen Baruchowitsch. Der Wärter konnte nicht auf­hören von dem Eingekerkerten zu erzählen- einen solchen Gefangenen habe die Peter-und Paulfeste noch nie in ihren Mauern gehabt. Er berichtete nun alles, was er gesehen und gehört und was seine erregte Phantasie noch hinzugefügt hatte und schloß seinen Bericht mit der Klage daß der Gefangene noch keinen Bissen von der Gefäng­niskost versucht habe, weil er Jude sei und nur solche Speisen genießen wolle, die nach der Re­ligion der Juden erlaubt sind.

Wenn der Herr Oberst es nur dazu bringen könnte, daß er etwas genießt, sonst stirbt uns der Mann unter der Hand."

Der Häftling muß Euch gut bezahlt haben, daß Ihr so für ihn Partei nehmt," entgegnete mit einem mißtrauischen Seitenblick der Oberst.

Was denkt auch der Herr Oberst? Er hat ja keine Kopeke- er hat mir auch nichts verspro­chen für den Fall, daß er wieder frei kommt. Ich glaube, er hat zu Hause auch nicht viel- sonst würde er sich nicht so gut auf's Hungern