Druckschrift 
Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
Seite
77
Einzelbild herunterladen

77

betete mit einer Hingebung und Ausdauer, die seinem Wärter täglich als neues Wunder erschien. Er schnitt sich jeden Tag ein kleines Stück seines harten Brotes ins Wasser und dankte Gott, daß man ihn nicht nötigte, verbotene Speisen zu genießen. In einigen Tagen mußte dieses Brot zu Ende sein. Als ihn der Wärter einmal da­rauf hinwies, entgegnete der Raw:

Morgen ist Sabbat, da werde ich mir sogar zwei Stücke von meinem Brotrest abschneiden. Sollte ich nach vier oder fünf Tagen kein Brot mehr haben, so wollen wir am sechsten darüber sprechen/ aber ich denke, daß es nicht so weit kommen wird."

Kann ich dem Herrn sonst mit etwas die­nen?" fragte der Wärter.

Es wäre mir eine große Gefälligkeit, wenn ich Papier, Tinte und Feder haben könnte. Federkiel habe ich mir übrigens mitgebracht/ ich brauche also nur ein Federmesser, um sie zu schneiden."

Aber es hat ja keinen Zweck zu schreiben, da Eure Briefe doch nicht befördert werden dürfen."

Ich will keine Briefe schreiben, sondern möchte nur die Früchte meines hiesigen Studiums zu Papier bringen, damit sie nicht der Vergessen­heit anhetmfallen."

Das Schreiben ist hier verboten. Aber ich würde Euch trotzdem gern zu Willen sein, ich habe jedoch gehört, daß heute Mittag der Chef der Gensdarmerie hierher kommt. Er nimmt die