Druckschrift 
Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
Seite
87
Einzelbild herunterladen

und mit allem Vermögen. Sehen Sie mich an, wie ich hier vor Ihnen stehe, bin ich ein armer, schutzloser Gefangener, dessen Leben vielleicht nur noch auf wenige Tage bemessen ist. Wenn Sie mit mir tauschen, wenn Sie mir Ihre Epau- letten, Ihre Tressen und Orden geben wollten, mir selbst die Freiheit schenkten und statt meiner hier im Kerker einer ungewissen Zukunst ent­gegen schmachten wollten, ich würde einen solchen Tausch verächtlich zurückweisen. Wenn ich in einer schwachen Stunde zu einem solchen Schacher fähig wäre, die Schmach, die Reue, die Verge­waltigung meines besseren Ich ließen mich nicht einen Augenblick dieses schmählichen Handels froh werden, ich würde meinen Gewissenbissen er­liegen."

Und Ihr meint allen Ernstes, ich solle Eu­rem Rat folgen und-"

Nein, Herr Oberst, Sie sollen nicht mir, sondern Ihrem besseren Selbst folgen. Es hat Ihnen dasselbe, was ich Ihnen sagen konnte, gewiß schon oft genug gesagt, übertäuben Sie die Gottessttmme nicht, die zu Ihnen spricht und Sie sind gerettet."

Ich werde morgen wiederkommen, Rabbi, ich darf jetzt nicht länger bleiben, um kein Auf­sehen zu erregen, denn ich habe noch nie so lange in einer Gefangenenzelle geweilt- also morgen."

Dabei reichte er dem Rabbi die Hand und bat ihn um seinen Segen.

Meinen Segen?" sprach der Rabbi,eher