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könnten Sie mein Leben als meinen Segen haben. So lange Sie selber verächtlich der Quelle den Rücken kehren, aus der allein mein Segen fließt, habe ich für Sie keinen Segen, und sobald Sie nicht mehr zu den fahnenflüchtigen Abtrünnigen zählen, bedürfen Sie meines Segens nicht, denn Sie werden ihn dann selber aus dem Born schöpfen können, welcher jedem offen steht, der sich ihm zuwendet."
Als der Oberst die Zelle verlassen hatte, traf er den Wärter, der sich seine eigenen Gedanken über den langen Besuch gemacht hatte.
„Geben Sie dem Gefangenen Baruchowitz Papier und Tinte, wenn er es verlangt."
„Und wie steht's mit dem Essen?" fragte der Wärter.
Das hatte derOberst ganz vergessen- da aber ein so hoher Beamter nichts vergessen darf, so fuhr er den Wärter barsch an:
„Das geht ihn nichts an- das fehlte uns auch noch, daß wir unsere Verbrecher noch zu essen nötigen sollten. Ich komme übrigens morgen wieder, und wenn dann der Gefangene berechtigte Wünsche deshalb hat, so soll er mir's selber sagen."
X.
Pünktlich um dieselbe Stunde fand sich Oberst Dundukof am anderen Tage wieder ein. Er traf den Rabbi schreibend und freute sich, daß er ihm wenigstens diesen Wunsch erfüllen konnte.
„Durch die Aufregung, die unsere gestrige Unterhaltung bei mir zur Folge hatte," begann