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ihm an teilnehmender Fürsorge entgegenbringen konnte. Die Treue und Hingebung des Wärters war jedoch ohne Gegenleistung erfolgt, sie war der Zoll der aufrichtigen Verehrung der Majestät, die aus dem Tun und Lasten dieses Geistesfürsten auch in der Gefangenschaft leuchtete.
Lange konnte der Raw diesen Gedanken jedoch nicht nachhängen, denn bald darauf öffnete sich wiederum seine Zelle. Der Gefängniswärter, von einem Gerichtsdiener begleitet, traten ein und brachten ihm die Aufforderung, ihnen in den Gerichtssaal zu folgen. Dort wurde ihm sein Platz auf der Anklagebank angewiesen, und der Raw hatte nun einige Minuten Zeit und Muße, sich zu orientieren. Der Blick, den er über die Richter schweifen ließ, begegnete dem ihrigen. Nur der Vorsitzende schien in seine Akten vertieft zu sein, die übrigen fixierten die ehrfurchtgebte- tende Erscheinung des Angeklagten.
„Angeklagter Baruchowitz, tretet näher hierher vor diese Schranke," sprach der Vorsitzende mit lauter, bis in die letzte Ecke des Saales schallender Stimme.
Der Raw erhob sich von seinem Sitz. Ein flüchtiger Blick ließ ihn ein ironisches Lächeln gewahren, das um die Lippen der jüngeren Richter spielte. Sie freuten sich schon im voraus aus den Anblick, den diese hohe, imponierende Gestalt in wenigen Sekunden bieten werde, wenn sie jählings in die Versenkung stürzt. Aber sie hatten sich zu früh gefreut. Der Raw, statt geraden Wegs auf die ihm angewiesene Stelle zu