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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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und Talmud an, die dem Juden die treue Hin­gebung an Fürsten und Vaterland zum religiösen Gesetz erheben und schloß mit der Aufforderung, ihm einen einzigen Juden zu nennen, der dieser Pflicht nicht Nachkomme.

Einen einzigen Juden soll ich Euch nennen?" gab der Präsident zurück;ich brauche nicht weit zu suchen, ich nenne Euch selbst. Ihr werdet es nicht bestreiten, daß Ihr eine Geheimwiffenschaft habt, Kabbala genannt, das geht aus Euren eigenen Büchern hervor, die Ihr selber verfaßt habt und die uns hier vorltegen. Wer das Licht nicht zu scheuen hat, braucht keine solche Geheim­tuerei."

Wie kann man von einer Geheimwissenschaft und gar von einer Geheimtuerei sprechen und gleichzeitig auf die Bücher verweisen, die ich da­rüber geschrieben habe? Was in gedruckten Büchern der ganzen Welt zugänglich ist, kann doch kein Geheimnis sein! Die Kabbala, mit der ich mich beschäftige, hat das Licht der Welt nicht zu scheuen. Sie hat mit Politik und was damit zusammenhängt, nicht das Geringste zu tun. Sie liegt offen vor aller Welt da, was allerdings nicht ausschließt, daß sie vielen ein Geheimnis bleibt, aber nur deshalb, weil die Gegenstände, die sie behandelt, tiefes Denken zum Ersoffen ihrer schwierigen Probleme erfordert."

Der Raw verbreitete sich nun eingehend über Wesen und Bedeutung der Kabbala und wurde dabet vielfach von Fragen und Bemerkungen einzelner Richter unterbrochen. Aber diese Unter-