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sein tägliches Pensum erledigt hatte, ging er an sein Frühstück. Er hatte bereits mehr als die Hälfte seiner eingemachten Früchte verzehrt, als er auf einen in ein kleines Kuvert gelegten Zettel stieß, der in hebräischer Sprache die wenigen Worte enthielt:
„Ich bitte, mir mitzuteilen, wem ich diese Früchte schicke."
Seit seiner Gefangennahme war dies das erste Lebenszeichen, das er von der Außenwelt erhielt. Er kannte die Schriftzüge seines Freundes Rabbi Mordechai Liefler und wußte, daß seine Gesinnungsgenossen sich in erster Reihe mit demselben in Verbindung gesetzt haben mußten, um die nötigen Schritte für seine Befreiung zu tun. Jede Tätigkeit in diesem Sinne war aber ihrerseits ausgeschlossen, solange den Freunden sein Aufenthaltsort und die maßgebenden Behörden unbekannt waren, bei welchen man sich für ihn verwenden konnte. Bet der Heimlichkeit, mit der das ganze Verfahren gegen ihn betrieben wurde, mußte aber den Freunden jede Kenntnis hierüber abgehen. Es war daher sicher keine müßige Neugierde, die R. Mordechai Liefler den Wunsch eingab, den Namen desjenigen zu erfahren, dem er seine Speisen schickte. Denn er mußte mit der Möglichkrtt rechnen, daß es sich um denjenigen handle, besten Aufenthalt zu erfahren er mit Aufgebot aller Mittel ohne Zweifel bestrebt war.
Der Raw ging in tiefes Nachdenken versunken in seiner Zelle auf und ub. Durfte er dem