können wir nachträglich oft selbst nicht entscheiden. Ich hatte und habe so wenig die Empfindung, daß das ein Traum war, so wenig ich glaube, daß Ihr gegenwärtiger Besuch in das Reich der Träume gehört."
„Und Euere Lehrer haben Euch wohl mit- getetlt, daß der Kaiser Euch heute besuchen wird?" fragte gespannt der Oberst.
„Nein, das haben sie nicht getan", entgeg- nete der Rabbi. „Es war davon mit keinem Sterbenswörtchen die Rede. Trotzdem hat ihr Besuch viel dazu beigetragen, daß ich heute den Kaiser sofort erkannt habe."
„Wie soll ich das verstehen?"
„Der Lehrer meines Lehrers trat zuerst in meine Zelle und ihm folgte mein Lehrer. Daraus schloß ich sofort, daß es kein anderer sein könne als Rabbi Israel Baal Schem Tow, obwohl ich ihn früher nie gesehen hatte. Im Laufe des Gesprächs stellte sich dann heraus, daß meine Annahme richtig war. Als Sie heute morgen Ihrem kaiserlichen Herrn den Vortritt ließen, mag die Gedankenverbindung mit meinem nächtlichen Besuch dazu geführt haben, in dem zuerst eintretenden Juden den Kaiser zu vermuten."
„Und dürfte ich fragen, was der Gegenstand der Unterhaltung mit Eurem nächtlichen Besuch war?" fragte der Oberst.
„Vielleicht kann ich eS Ihnen später einmal sagen, wenn Sie durch einen jüdischen Lehrer mehr in jüdisches Denken und Leben eingeführt