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Der Oberst gab seiner Zustimmung durch ein Neigen des Kopfes Ausdruck und der Rabbi fuhr fort:
„Ich bin darin ganz eiHßegengesrtzter Ansicht. Mir scheint der Traum ein viel größeres, rätselhafteres Wunder als die Wirklichkeit. Die Häufigkeit der Träume macht dieses Wunder aller Wunder nicht kleiner, sondern größer. Der Besuch meiner Lehrer, oder sagen wir meinetwegen mein Traum, gehört zu denen, die in nicht weniger real sind als irgendwelche Ereignisse des sogenannten wachen oder wirklichen Lebens. Wenn etwa mein Gefängniswärter mit seinem Schlüssel zur Zelle bei mir eingetreten wäre, es hätte nicht deutlicher, körperlicher und wirklicher sein können, als es mir heute nacht meine Lehrer waren. Man träumt Gerüche, man träumt Gesichte, man träumt Berührungen. Man träumt Worte, man hört Erzählungen, hört Musik. Man behält an solche sinnliche Eindrücke eines Traumes jahrzehntelang eine Erinnerung - eine Erinnerung, die scharf und lebendig ist, während viele gletchgiltigere und wichtigere Geschehnisse des wachen Lebens unwiderbringlich vergessen bleiben. Die Träume verlieren sich in unser Wesen allmählich hinein und man kann nicht sagen, wo das eine anfängt und das andere aufhört. Ich habe diese Nacht meine Lehrer gesehen und gesprochen. Ich weiß, was sie mir gesagt haben und welche Antworten ich ihnen gab. Ob wir etwas im Traume oder in Wirklichkeit gesehen und erlebt haben, das