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Dies alles hatte Liefler mit großem Aufwand von Zeit und Geld und Scharfsinn festgestellt, als er eine zweite Aufforderung des Obersten erhielt, bei ihm vorzusprechen. Der Oberst teilte Liefler mit, daß dem Gefangenen das eingemachte Obst sehr gut gemundet habe und daß er um eine neue Sendung bitte. Liefler nahm die leere Büchse in Empfang und bemerkte dem Obersten, er schätze sich glücklich, einem gefangenen Glaubensgenossen sein herbes Los durch diese Kleinigkeit zu erleichtern, nur bedauere er die Anspruchslosigkeit des Gefangenen, er würde ihm gern kräftigere und reichlicher Speisen schicken. Er verabschiedete sich nach wenigen Minuten mit dem Versprechen, morgen Vormittag sich wieder mit einer gefüllten Büchse Eingemachtem einzu- finden.
Liefler brannte vor Verlangen, aus der Büchse etwas Näheres zu erfahren, aber seine weise Vorsicht hätte es niemals zugegeben, sie zu öffnen, bevor er seine Wohnung erreicht hatte. Dorr erwartete ihn der nach der Verhaftung sofort nach Petersburg geeilte Schwager des Raw, Rabbi Israel Kosik. Ihn hatte Liefler ins Vertrauen gezogen und gemeinschaftlich mit ihm die bisherigen Nachforschungen angestellt. Beide stießen einen Schrei freudiger Ueberraschung aus, als sie auf dem Boden der Büchse den Papierstreifen fanden mit den ihnen wohlbekannten Schriftzügen deS Raw. Sie sprachen in begeistertem Dankgefühl den Segensspruch, den man beim Empfang einer freudigen Nachricht