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„Wenn Ihr mir diesen Liebesdienst wirklich erweisen wollt, so ist das nicht schwer für Euch, und damit wäre Euch und mir geholfen."
„Und was meint Ihr was ich tun soll?
„Wann habt Ihr freien Ausgang in die Stadt?"
„An jedem dritten Tag habe ich Nachmittags vier Stunden freie Zeit- morgen Nachmittag komme ich in die Stadt."
„Ihr wißt doch die Straße, in der die große Kathedrale ist?"
„Gewiß weiß ich die, die kennt ja jedes Kind in St. Petersburg."
„Nun, dann ist's gut- in dieser Straße Nr. 35 wohnt mein Geistlicher, er heißt Liefler. An den gebe ich Euch einen Brief mit, in dem ich ihn ersuche, Euch zu mir zu begleiten, damit ich ihm mein Herz ausschütten kann. Ich schreibe ihm ferner, daß er Euch hundert Rubel auszahlen soll, davon gehört die Hälfte Euch, die andere Hälfte gebt Ihr dem Fährmann, der mit seinem Boot Euch und den Geistlichen zu mir führt. Ihr bringt dann den Rabbi Liefler zu mir in meine Zelle und begleitet ihn wieder bis ans Boot. Mehr habt Ihr nicht zu tun."
„Mit dem Vorschlag bin ich nicht etnverstan- den", entgegnete mit einer bet ihm sonst ganz ungewöhnlichen Entschiedenheit und Heftigkeit der Gefängniswärter. „Erstens schwöre ich Euch bet allen Heiligen, daß lieber alle Gewitter auf mich niedergehen und, der Himmel über mir ein- stürzen soll, als daß ich von Euch oder Eurem