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„Was sagt Ihr da, es ist alles wahr? Unwahr soll es auch noch sein? Ihr dürft nichts Schlechtes von einem andern Menschen sagen, auch wenn es wahr ist. Tut Ihr es dennoch, so seid Ihr ein Bösredner, ist es aber gar unwahr, so seid Ihr ein Verleumder, und ich handelte so schlecht wie Ihr, wenn ich das alles unwidersprochen anhören wollte. So dürft Ihr nicht reden, sonst haben wir keinen Segen von Gott für unser Tun zu erhoffen."
Das wollte Jastrebof nicht in seinen alten Kopf hinein, daß man einen solchen Menschen nicht beim rechten Namen nennen dürfe. Aber er fügte sich dem Willen des Gefangenen und fuhr fort:
„Also dem Bootsmann dürft Ihr keine Kopeke geben, damit machen wir's viel schlimmer. Er wird schon gern die fünfzig Rubel einstecken und dafür ein Dutzend Popen und Rabbiner zu Euch übersetzen. Aber wenn er sich mit dem Gelbe einen Rausch antrinkt, so schwätzt er in der Trunkenheit alles aus. Es ist schon oft vorgekommen, daß ich Geistliche abgeholt habe, welche die Gefangenen zur Beichte verlangten. Wenn ich ihm sage, daß ich in die Stadt gehe, um für Euch einen Geistlichen zu holen, so findet er darin gar nichts, da er ja weiß, daß der Inspektor selber erst dieser Tage mit dem Rabbiner bet Euch war."
„Wie Ihr meint,- das wisset Ihr besser als ich, das macht Ihr nach Eurem besten Wissen. Wollt Ihr also morgen dem Rabbiner Liester