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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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den Brief bringen und ihn dann selber zu mir begleiten?"

Einen solchen Wunsch kann ich Euch nicht abschlagen, und ich glaube auch nicht, daß etwas dabei riskiert ist. Sollte es gegen Erwarten aber doch zu Ohren des Inspektors kommen, so bin ich ein ruinierter Mann, und ich verliere meinen Posten."

Ich verstehe Eure Besorgnis ganz gut, aber das ist etwas, worüber ich Euch vollständig beruhigen kann. Sollte der Inspektor je etwas von der Sache erfahren und Ihr dadurch Eure Stelle verlieren, so verspreche ich Euch das Dop­pelte Eures jetzigen Gehaltes für die ganze Zeit Eueres Lebens."

Ohne etwas zu erwidern, sah der Wärter den Raw einen Augenblick an. Die Wehmut und Verschmitztheit, die aus seinen Augen leuch­teten, hatte der Raw sofort richtig gedeutet.

Es kommt Euch gewiß lächerlich vor, wenn ein Mann, dessen Tage selber gezählt sind, Euch Versprechungen für eine ganze Lebensdauer macht. Seid jedoch unbesorgt. Ich werde in dem Briefe, den ich morgen meinem Geistlichen durch Euch schicke, diesen beauftragen, daß er Vorkehrungen trifft, um mein Versprechen einzu­lösen, falls es dazu kommen sollte. Habt Ihr noch sonst ein Bedenken?"

Nein, heiliger Mann/ ich danke für das große Vertrauen, daS Ihr in mich setzt/ ich werde es zu verdienen suchen. Schreibt Euren Brief und gebt mir ihn morgen / bis Nachmittag