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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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sich ruhig auf seinen Platz und erwartete die Ankunft des Inspektors, der denn auch sofort eintrat.

Ich komme soeben vom Präsidenten des Gerichts, der mich Eurethalben rufen ließ," be­gann der Oberst seine Mitteilung,und die Botschaft, die ich zu bringen habe, ist leider keine gute. Man will Euch durchaus beiseite schaffen, aber die Herren Richter wissen nicht, wie sie das anfangen sollen. Sie sind alle von der Unschuld des Rabbi überzeugt, aber der Kaiser ist gegen Euch eingenommen und die Richter fürchten den kaiserlichen Unwillen, wenn sie Euch freisprechen. Eigentlich hat der geheime Gerichtshof Euch weder frei- noch schuldig zu sprechen, sondern er hat nur die Untersuchung gegen Euch zu führen und die Akten dem Senat zuzustellen, der dann das Urteil fällt. Aber das ist nur eine Formsache, da der Senat nur auf Grund der ihm vorlie­genden Untersuchungsakten seine Entscheidung fällen kann. Wahrscheinlich sind auch die Senatoren von Euern Gegnern bestochen, von ihnen ist daher nur schlimmes zu erwarten."

Aber", entgegnete der Raw,man hat mir doch bei meinem heutigen Verhör gestattet, meine Verteidigung schriftlich etnzureichen und will sie sogar durch einen Wilnaer Uebersetzer übersetzen lassen? Das spricht doch wenigstens dafür, daß das endgiltige Urteil der Richter noch aussteht?"

Das ist mir wohl bekannt, aber es ändert nichts an der Sache,' vielleicht ist es sogar ein neuer Beweis dafür, daß Ihr in den Augen der

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