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dem Präsidenten sofort berichten. Dadurch habe ich den doppelten Vorteil, daß ich öfters, ohne Aufsehen zu erregen, Euch hier besuchen kann und, was noch wichtiger ist, daß ich dadurch Veranlassung habe, den Präsidenten häufiger zu sprechen und so vielleicht etwas von Bedeutung erfahren kann."
„Der Herr Oberst haben hier mir der ganzen Klugheit gehandelt, die ich schon wiederholt zu bewundern Gelegenheit hatte. Aber ich muß gestehen, daß mir diese Mitteilungen meine ganze Lage weniger ernst erscheinen lasten, als ich noch vor wenigen Minuten geglaubt habe. Denn ich entnehme daraus, daß die Richter, mögen sie nun durch den Willen des Kaisers, oder durch das Geld meiner Feinde, oder durch beides bestochen sein, nicht an meine Unschuld glauben. Glaubten sie an meine Unschuld, so könnten sie es nicht für möglich halten, daß mir irgendein Spion das Geständnis von Dingen entlocken könnte, die ich nie begangen habe. Handeln die Richter also nur so streng gegen mich, weil sie mich wirklich für schuldig halten, so ist eine Aende- rung ihrer Gesinnung zu erwarten, wenn es nur gelingt, sie von meiner Unschuld zu überzeugen. Das aber hoffe ich mit Gottes Hilfe durch meine schriftliche Verteidigung zu erreichen."
Der Oberst machte eine abwehrende Bewegung und meinte:
„Euer grenzenloses Gottvertrauen läßt Euch auch das Schlimmste in einem milderen Lichte er- scheinen, als es in Wirklichkeit ist. Wie könnt