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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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Ihr nur im Ernste glauben, daß das geschrie­bene, kalte Wort Eurer Verteidigung wirksamer sein sollte, als das warme, gesprochene, das doch wirkungslos an den Herzen der Richter ab­geprallt ist!"

Aber ich werde meine schriftliche Verteidi­gung direkt an den Kaiser richten und von sei­nem Gerechtigkeitssinne hoffe ich, daß er meine Unschuld erkenne und mir die Freiheit geben wird, wenn es Gott will, in dessen Hand die Herzen der Könige sind."

Möge sich der Rabbi doch darüber keiner Täuschung hingeben", entgegnete bewegt der Oberst.Auch ich zweifle nicht an dem Gerech­tigkeitssinn des Kaisers und bin überzeugt, daß er niemals die Hand dazu bieten würde, einen Unschuldigen zu töten. Aber er ist von dem Vorurteil befangen, daß Ihr schuldig seid und daran wird Euere Verteidigung nichts ändern, auch wenn Ihr mit Engelszungen redet. Aber wie dem auch ser, Euere Lage bleibt selbst nach Euerer Auffassung kritisch genug, nach der mei- nigen seid Ihr unrettbar verloren, wenn Ihr den Dingen ihren Lauf lasset. Ihr müßt fliehen, und ich will Euch sofort zur Flucht ver» helfen. Ich hoffe, daß ich es kann, ohne des­halb meine Stellung und mein Leben zu gefähr­den. Aber wenn diese Flucht auch mein Leben kosten sollte, so ist doch die Erhaltung Eures Lebens wertvoller als das meinige. Mein Tod möge dann eine Sühne für ein verfehltes Leben sein. Aber das muß ich Euch sagen: was ge-