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„Völliger Ernst. Der Herr Oberst ist Inspektor der Peter und Paul-Feste, wenn der Herr Oberst befehlen, erscheint Herr Liefler sofort."
Erregt sprang der Oberst von seinem Sitze auf und heftete den Blick auf den vor ihm sitzenden Rabbi. Dieser sah nicht aus wie ein Mann, der sich irgend einen Scherz erlaube- auf seinen Zügen lag die heitere, abgeklärte Ruhe, die ihn niemals verließ. Mit seinem tiefen, milden Blick, den er in die entgeisterten Augen des Obersten senkte, wiederholte er die Bereitwilligkeit, sein Versprechen wahr zu machen und der Oberst gab durch ein leises Nicken des Hauptes seine Zustimmung, die Augen unverwandt nach der Zellentüre gerichtet.
„Reb Mordchai, kommt hier an den Tisch!" Da rauschten leise die Bettvorhänge, und Liefler trat hervor.
Wenn ein Blitz aus heiterem Himmel zu Füßen des Obersten plötzlich niedergefahren wäre, hätte dieser nicht mehr erschrecken können. Er schwankte und sank regungslos auf seinen Sitz nieder. Aber auch dann mußte er sich mit beiden Händen an der Tischplatte festhalten. Kalter Schweiß floß von seiner Stirne über das aschfahle Angesicht, ohne daß er fähig war, auch nur ein einziges Wort hervorzubringen. Einige Augenblicke herrschte tiefes Schweigen zwischen den drei Männern, das der Oberst zuerst unterbrach, indem er ausrtef:
„Alle guten Geister! Rabbi! Ist das wirk-