170
lich Herr Liefler oder nur sein Bild, sprecht Liefler, seid Jhr's wirklich oder ist's nur ein neckisches Gespenst?"
„Ich bin es, Herr Oberst," sprach Liefler, indem er ihm die Hand reichte, „ergreift nur meine Hand und überzeugt Euch selber; Gespenster haben keine warmen Hände von Fleisch und Blut, wie ich sie Euch entgegenstrecke."
Aber der Oberst wich scheu jeder Berührung aus, er glaubte noch immer eine überirdische Erscheinung vor sich zu haben.
„Rabbi, mit welcher geheimen Wissenschaft habt Ihr die Erscheinung dieses Mannes hierher beschworen?"
„Beruhigen Sie sich, Herr Oberst, es liegt hier keine Beschwörung und nichts Derartiges vor. — Die Anwesenheit von Herrn Liefler verdanke ich lediglich Ihrer eigenen Klugheit ?"
„Meiner Klugheit? Meiner Beschränktheit vielleicht, aber nicht meiner Klugheit?"
Der Rabbi erzählte nun, wie er das Beispiel von der Verkleidung deS Kaisers als jüdischer Seelsorger aufgegriffen und den Zutritt Lieflers durch Vermittlung des Gefängniswärters erlangt habe, und wie der arme Mensch, für seine Zukunst zitternd, ihm die Ankunft des Inspektors avisiert habe.
„Aber Rabbi," fragte der Oberst, „wenn das alles so schlicht und klar zugegangen ist, wozu brauchte sich Herr Liefler vor mir zu ver-