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stecken, warum sollte ich ihn nicht sofort bet Euch vorfinden?"
„Dafür, Herr Oberst, hatte ich zwei Gründe. Wenn Sie zu einer so ungewöhnlichen Stunde zu mir kommen, so wußte ich, daß Sie mir irgendeine Mitteilung von Bedeutung zu machen haben. Hätten Sie aber bei Ihrem Eintritt Herrn Liefler vorgefunden, so wären Sie schon sofort außer Fassung gekommen, wie es Ihnen jetzt passiert ist, daß Sie fast einer Ohnmacht nahe waren. Ich mußte dann fürchten, daß Sie nicht mehr in der Stimmung und Lage gewesen wären, mir Ihre Mitteilungen zu machen."
„Ich staune Ihre ruhige, scharfsinnige Ueber- legenhett selbst in untergeordneten Angelegenheiten an, die immer zuverlässiger in wenigen Sekunden das Rechte trifft, als es unser stunden- und tagelanges Nachdenken zuwege brächte,' und was war Ihr zweiter Grund, wenn ich fragen darf? Ich frage nicht aus müßiger Neugier, sondern weil ich auS jeder Ihrer weisen Maßnahmen vieles lernen kann."
„Meine zweite Erwägung galt dem armen Gefängniswärter, der, während wir hier ruhig plaudern, draußen auf seinem Posten bange Minuten in der Sorge um seine nächste Zukunft verbringt. Wenn Sie mich jetzt verlassen haben werden und an ihm wie sonst Vorbeigehen, als wenn nichts geschehen wäre, so ist er überzeugt, daß Sie keinen Dritten bei mir gesehen haben. Er kommt dann wenige Minuten später in meine Zelle gestürzt und frägt mich, nie ich das