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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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auch keine Ahnung davon habe, wie das geschehen soll. Nicht Euere Weisheit, sondern die Lauter- keit Eures Denkens und Fühlens, sowie die Makellosigkeit Eueres Tuns und Lassens werden Euch aus diesem Kerker befreien. Ihr habt recht, daß Ihr das Gott allein anheimstellt, er wird für Euch handeln und alles zum Guten wenden!"

Amen!" sprach der Rabbi und verabschiedete sich von seinem hohen Gönner.

Er erwartete nun jeden Augenblick den Ge­fängniswärter, der aber auffallender Weise län­ger als eine Stunde ausblieb. Der Rabbt glaubte anfangs, daß er die Unterredung mit dem vermeintlichen Seelsorger nicht stören wolle und beruhigte sich damit. Die Zellentüre, die der Wärter sonst nach jedem Besuche des In­spektors sorgfältig verschloß, hatte er diesmal offen gelassen. Der Rabbi ging hinaus auf den dunklen Korridor und rief nach dem Wärter. Dieser erschien aber so zaghaft, schüchtern und zitternd vor Furcht, daß der Rabbi ihn fragte, waS ihm zugestoßen sei. Der Wärter aber sah ihn mit stieren Blicken an und konnte nur müh­sam die Worte hervorstoßen:

Ich fürchte mich vor Euch. Bisher habe ich Euch für einen heiligen Mann gehalten, aber jetzt sehe ich, daß Ihr ein Zauberer seid m?d mit den bösen Geistern in Verbindung steht. Der Inspektor hat richtig Eueren Geistlichen nicht gesehen, Ihr müßt ihn behext haben; ich fürchte, daß Jhr's mit mir gerade so macht und