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gewirkt hatte. Der Geheime Rat schloß die Untersuchung gegen den Raw, in der sich auch nicht ein einziges belastendes Moment gegen den Angeklagten ergeben hatte und übermittelte die Akten dem Senat, der auf völlige Freisprechung des Raw erkannte.
Die Nachricht von der günstigen Wendung des Prozesses wurde zwar wie das ganze Verfahren streng geheim gehalten, aber durch Vermittlung des Baron Dundukof war sie doch bald in die Gefängniszelle des Raw gelangt. Es war am Dienstag, den 19. Kislew, am Todestag seines Lehrers Rabbi Dow Beer von Meseritsch, als der Raw auf den Schwingen der Davidischen Psalmen sich über die trübe Wirklichkeit seines Kerkers erhob. Gerade waren ihm die Worte des 55. Psalms: „Er macht in Frieden meine Seele frei" über die Lippen gegangen, als sich die Zellentür öffnete und der Gerichtspräsident, begleitet von zwei Richtern, in seine Zelle eintrat und ihm das freisprechende Urteil vorlas, durch das er sofort aus seinem lebendigen Grab entlassen und sich selbst und den Seinen wieder zurückgegeben wurde. Diese höchsten Würdenträger der russischen Justizverwaltung sprachen dem Raw ihre Freude darüber aus, daß es ihm so vollkommen gelungen sei, den unanfechtbaren Beweis seiner Unschuld zu erbringen und wünschten ihm für seine Zukunft den Beistand Gottes, der ihm so offenkundig im Kerker zur Seite gestanden.
Als sie die Zelle eben verlassen hatten, trat