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gelingt, den Gerichtshof ganz gewiß sehr interessieren."
„Es wird das nicht schwer sein. Die allgemeine Ansicht kann hier so wenig wie bei jeder anderen Wissenschaft von ausschlaggebender Bedeutung sein. Wie kann man auch nur mit einem Schein von Recht von einer Geheimwissenschaft der Kabbala sprechen, wenn über ihre einzelnen Zweige eine ganze Literatur vorhanden ist, die jedem, der die erforderlichen Vor- kenntntsse besitzt, zugänglich ist? Sie ist in den Ruf einer Gehetmwissenschaft gekommen, nicht mit Rücksicht auf die Gegenstände, die sie umfaßt, sondern lediglich deshalb, weil sie in alter Zeit nur mündlich vom Lehrer dem Schüler überliefert wurde. Sie umfaßt das Wesen Gottes, seine Waltungsweisen, wie sie in den verschiedenen Gottesnamen niedergelegt sind, sie enthält kosmogonische, philosophische und philologische Untersuchungen von ungewöhnlicher Schärfe und Tiefe, alles Disziplinen, die ihrer ganzen Natur nach der großen Masse nicht zugänglich sind und bei ihr leicht zu Mißverständnis und Mißbrauch führen können. Daß bei diesen Forschungen verschiedene, oft völlig entgegengesetzte Anschauungen sich geltend machen können, liegt auf der Hand. Aber diese Verschiedenheit der Auffassung kommt bet den Meistern der Kabbala sowohl auf seiten der Chassidim wie ihrer Gegner vor, sie ist es also nicht, die einen Zwiespalt zwischen den beiden erklären könnte."