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Der Raw : kulturhistorische Erzählung / von Judäus
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Dank) bei uns in Rußland viele, die darin noch größer sind. Aber als Baal Derech Erez (Mann von feiner Weltsitte) steht er einzig da. Wenn wir beisammen sitzen und lernen und es wird irgend ein hoher Diplomat angemeldet, wenn er dann seinen langen Chalat auszieht, das schwarze Käppchen ablegt, die Peies (Schläfenlocken) hinter das Ohr streift und sich in heintweltige, französiche Kleider steckt, dann kenne ich ihn selber nicht wieder. Wenn ich dann hinter der halbgeöffneten Türe ihn französisch reden höre, als ob er ein geborener Franzose wäre, und wie er mit seiner Chochmo alle hoch überragt, dann meine ich, das müsse ein anderer Mensch sein, das wäre gar nicht Rabbi Moscheh. Er bewegt sich auf dem Parkett von Grafen und Fürsten mit derselben Leichtigkeit und Sicherheit wie auf den verschlungenen Wegen des Talmud. Ich brauche dem Rabbi weiter nichts zu sagen als das eine: Rabbi Moscheh hat eine Audienz bei Napoleon selber gehabt, es ist ihm gelungen, den französischen Kriegsplan gegen Rußland heraus zu bekommen, hier ist er."

Bei diesen Worten nahm er ein großes, ver­siegeltes Couvert aus der Brusttasche und legte es vor den Rabbi hin.

Wie hat Rabbi Moscheh das zuwege ge­bracht?" fragte in freudigem Erstaunen der Rabbi.

Wie? Rabbi Moscheh bringt alles fertig, er erfreut sich eines wunderbaren himm­lischen Beistandes, aber die Sache hätte ihm fast das Leben gekostet. Ich kann mich bei allen