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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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Mitwirkungstriebes der Nation zu ſehr und zu lange ver­kannt. In altpreußiſcher, ſelbſtverleugnender Königstreue hatte der Miniſter v. Bodelſchwingh gegen ſeine eigene, beſſere Ueberzeugung, weil ſein König es ſo wollte, und weil er auf Bodelſchwinghs Dienſte dabei nicht verzichten wollte, des Königs Anſchauung vor dem vereinigten Landtag vertreten. Nachträglich gelang es ihm jedoch, den König umzuſtimmen; auch überzeugte er ihn mit Mühe ( ein Beweis für des Königs Treue gegen ſeinen Diener und wieder ein Beweis für die großartige, aber unpraktiſche Vertrauensſeligkeit des Monarchen), daß er, v. B., nicht derjenige ſein könne, der die nunmehr beſchloſſene konſtitutionelle Verfaſſung vorzulegen und zu vertreten hätte. Das Patent vom 18., vor Ausbruch derMeuterei aus freiem Entſchluß des Königs erlaſſen, mit der beſtimmten Zuſage einer Verfaſſung, war, wie das Aktenſtück zeigt, Bodelſchwinghs letzte ſtaatsmänniſche Arbeit. Zu einer Revolution lag gar ein Anlaß mehr vor; die Forderungen der ehrlichen Liberalen waren erfüllt. Die Straßen­kämpfe entwickelten ſich nach vorbedachtem Plane und auf Anſtiften derjenigen unſauberen Elemente, die für ihre de­magogiſchen Leidenſchaften neue Nahrung, und weiteren Spielraum für die ſchändlichen Wühlereien brauchten, die ihnen bereits ein feſſelnder und lukrativerSport ge­worden waren.

Der Reichskanzler ſelbſt regte ſofort bei dem Einſender des Dokumentes, dem(zweiten) Sohne des Miniſters, die Veröffentlichung deſſelben an, zu welcher er ohne Genehmig­ung der Familie zu ſchreiten ſich nicht für berechtigt hielt. Inzwiſchen glaubte Profeſſor Jäger in Köln, der in den