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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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jene künſtlich erzeugte Revolution vollzogen. Die Bereit­willigkeit dazu, nicht minder die im Kampfe bewieſene Ausdauer, erklärt ſich, abgeſehen von der in der nied­rigſten Volksklaſſe ſtets vorhandenen Neigung zu Exceſſen, ſehr leicht durch den 1848 allgemein herrſchenden Noth­ſtand, der durch vorangegangene Mißernten erzeugt worden war. Von einem Drange nachFreiheit war weder im Bürgerſtande, noch in der niederen Volksklaſſe etwas zu verſpüren.

Das arme WortFreiheit, wie muß es ſich doch maltraitiren laſſen! Jeder gottloſe, jeder revolutionäre, mit Gott und der Welt zerfallene und zerfahrene Menſch be­ruft ſich auf die Freiheit, macht ſich zum Anwalt des Volks advocatus diaboli und nennt ſeine deſtruktive, volksvergiftende Hetze eine Arbeit im Dienſte des Volkes. Das iſt aber immer ſo geweſen und man darf ſich nicht wundern, wenn auch jene ſataniſchen Künſte gemeiner Talente im Jahr 1848 zu einer Thätigkeit im Dienſt des Volkes geſtempelt wurden

Ju meiner Schilderung der Berliner Märzereigniſſe 1848 habe ich bereits offen erklärt, daß dieſelben als das alleinige Werk polniſcher und franzöſiſcher Emiſſäre, die ſich, weil es anders nicht gegangen wäre, mit einigen liberalen Toll­köpfen Berlins in Verbindung ſetzen mußten, zu betrachten ſind. Ich nahm aber und durfte auch um ſo mehr Ab­ſtand davon nehmen, in ausführlicher Weiſe der Quellen zu erwähnen, aus denen ich einen Theil meines Wiſſens geſchöpft habe, als nicht blos Rückſichten auf den mir nur ſpärlich verſtatteten Raum zu nehmen waren, ſon­

dern mich auch der nahe liegende Gedanke beherrſchte,