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dennoch gedachte Niemand mehr der Lehren, die ſelbſt der beſchränkteſte Verſtand aus jenen gewaltigen Ereigniſſen zu entnehmen und zu begreifen vermocht hatte.
Als in Paris die Schreckensherrſchaft ſchon jahrelang gewährt, und der Pöbel längſt gelernt hatte, die executive Gewalt als ein ihm zuſtehendes Recht zu betrachten, da genügte doch eine einzige energiſche That von Seite der noch vorhandenen kleinen Ordnungspartei, das geſamte Geſindel nebſt ſeinen Führern in einen ganz übermäßigen Schrecken zu verſetzen. Es handelte ſich damals um die Unterzeichnung einer von Briſſot verfaßten Sturmadreſſe, welche die ſofortige Abſchaffung des Königthums verlangte. Rudolf Stratz äußert ſich über jenes Vorkommniß wie folgt:„Bereits hatten in Gegenwart einer ungeheuren Menſchenmenge auf dem Marsfelde gegen 6000 Perſonen das Schriftſtück, zumeiſt mit Kreuzen, unterzeichnet, als Lafayette mit ſtarken Bürgerwehrabtheilungen dazwiſchen ſchritt. Es kam zum Streit; Steine flogen gegen die Nationalgarde, welche ihrerſeits von den Waffen Gebrauch machte, zwölf Menſchen mit Gewehrſalven todt niederſtreckte und die übrigen in wilde Flucht ſchlug.
Nichts kann bezeichnender ſein, als der jähe Schrecken, welchen dieſe unerwartete Thatkraft der Liberalen bei den Führern der Umſturzbewegung erzeugte. Danton eilte ſofort auf das Land; Desmonlins ſtellte das Erſcheinen ſeiner Zeitung ein; Marat folgte ſeinem Beiſpiel, ſo daß Frankreich ſich einige Tage ohne den„Volksfreund“ behelfen mußte, und verkroch ſich in einem Keller; ſelbſt Robespierre, obwohl durch ſeine Eigenſchaft als Abgeordneter vor jeder Verfolgung geſchützt, wagte nicht zu Hauſe zu ſchlafen und
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