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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
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Hauptſache aber der niedrigſten Volksklaſſe Berlins zu danken haben.

Daß die eigentlichen Aufwiegler nur zum geringſten Theil Deutſche, vielmehr Polen und Franzoſen waren, ſteht außer allem Zweifel. Die bedeutenden Geldopfer, die gebracht werden mußten, floſſen nicht aus Berliner Taſchen, Berlin verſtand ſich damals noch nicht auf Inſcenirung von Straßenkämpfen; auch waren die Geldbörſen ſeiner hervorragendſten politiſchen Wühler leer ſondern aus jener Quelle, die ich bereits bezeichnet habe. Nie roulirten franzöſiſche Goldmünzen zahlreicher in Berlin, als in den Märztagen 1848 Bei der Lynchjuſtiz aber, die am 19. März und an den folgenden Tagen in der preußiſchen Hauptſtadt geübt wurde, handelte es ſich ſtets um Verrath, der an dieſem oder jenemPolen ſollte verübt worden ſein. Mein Regimentskamerad und ich eilten am 19. März und auch an den nächſten Tagen raſtlos von Platz zu Platz, von Straße zu Straße, überall dahin wo cum veniawas los war, alles erſpähend, alles er­gründend. So wurden wir denn auch Zeugen der Ge­waltakte, die in den Vormittagſtunden des 19. März Unter den Linden an dem Hofhandſchuhmacher Wernicke, in ſpäter Abendſtunde desſelben Tages aber Ecke der Königs­und heilige Geiſt⸗Straße an dem Major Preuß vollzogen wurden. Beide wurden, wie man uns auf Befragen mit­theilte, beſchuldigt,Verrath geübt zu haben an einem Polen!!! erſtem vernichtete man ſein ganzes, ſehr be­deutendes Waarenlager, zerriß die aufgeſpeicherten Glacs­handſchuhe zu Tauſenden von Paaren und warf ſie dann auf die Straße oder ſtahl auch, entgegen der von den