Druckschrift 
Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

2

beſte Gelegenheit, die Elemente des nächtlichen Straßenkampfes zu prüfen. Und da muß ich denn doch offen geſtehen, daß ich unter den vielen Gefangenen nicht einen einzigen zu erblicken vermocht habe, von dem angenommen werden konnteer hätte nach Freiheit gedürſtet und nur für ſie ſein Leben in die Schanze geſchlagen. Nicht nach Freiheit, ſondern nachSchnaps werden wohl faſt ausnahmslos alle jene verführten, beklagenswerthen Menſchen gedürſtet und denſelben auch, wie der Augenſchein lehrte, im Ueber­maß zu trinken bekommen haben! Faſt Alles von ihnen ſtak in Jacken und Beinkleidern aus halbleinenem und baumwollenem Drell; nur Wenige waren bekleidet mit ſehr kurzen Röcken in der bekannten undefinirbaren, grau, braun, gelb, ſchillernden Farbe. Man fühlte Mitleid mit den un­glücklichen Opfern gemeiner Verführungskünſte und das um ſo mehr, als keiner ihrer Verführer unter ihnen zu erblicken war. Die Aufwiegler waren klug genug geweſen, ſich am Kampfe entweder gar nicht oder doch nur dann zu be­theiligen, wenn hinreichende Sicherheit für ihr eigenes Leben geboten ſchien. Der klägliche Anblick, den die gefeſſelten, dürftig gekleideten, zum größten Theil verwundeten Ge­fangenen dem Beobachter gewährte, macht einigermaßen den Unwillen erklärlich, der ſich der niederen Volksklaſſe Char­lottenburgs, beim Durchzug der Gefangenen durch die Haupt­ſtraße ihrer Stadt, bemächtigte und ſchließlich in Mißhand­lung einzelner Gefangenen ausartete. Selbſtverſtändlich zügelten die eskortirenden Ulanen ſolchen nicht zu billigen­den Erguß patriotiſcher Geſinnung in ſehr energiſcher Weiſe. Schließlich muß auch das gleich nach dem 18. März er­ſchienene Namenverzeichniß aller gebliebenen Aufſtändiſchen