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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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als ein evidenter Beweis für die Richtigkeit meiner Be­hauptung, daß nämlich faſt ausſchließlich die niedere Volks­klaſſe am Straßenkampf betheiligt geweſen iſt, betrachtet werden. Ich zählte bei der Beerdigung der gebliebenen Aufſtändiſchen am 22. März etwa 270 Särge; jeder Ab­theilung von 50ſchwarzen Särgen, in denenmännliche Leichname ruhten, hatte man einengelben Sarg beige­geben, in welchem eine jenerweiblichen Perſonen ſchlum­merten, die ihre Neugier mit dem Verluſt des Lebens hatten büßen müſſen. Durch meine Zählung ſoll aber keineswegs die wirkliche Anzahl der Gebliebenen feſtge­ſtellt ſein; einige der letzten ſind abgeſondert beerdigt worden, viele Verwundete nachträglich geſtorben, alſo auch nicht am 22. März zur Beerdigung gelangt. Ich wollte nur con­ſtatiren, daß das Reſultat meiner Zählung ziemlich genau übereinſtimmte mit der erwähnten Todtenliſte. In jener Todtenliſte aber fanden ſich, abgeſehen von den wenigen zufälliger Weiſe ums Leben gekommenen Frauen und Mädchen, ſo weit mir noch erinnerlich iſt, nur zwei Perſonen ver­zeichnet, die nicht dem Handwerker- oder Arbeiterſtand an­gehörten, von denen aber der eine, Referendar v. Holtzendorff, wie ich beſtimmt weiß, auch nicht zu den Aufſtändiſchen gezählt werden darf, während bei dem andern, v. Lenzki oder Lentzky?, irre ich nicht ebenfalls Juriſt, nur durch feinen polnisch klingenden Namen die Annahme zuläſſig erſcheint, als wäre er an dem Aufſtande thätig betheiligt geweſen. Die Forſchungen, die ich über ihn anſtellte, ſind erfolglos geblieben, während in Betreff des Referendars v. Holtzen­dorff nie ein Zweifel beſtanden hat. Zur Tröſtung, nöthigen­falls zum Beiſtand, zu der ihm verwandten Familie, Gym­