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Mehr Licht! : Beiträge zur Geschichte des Berliner Straßenkampfes am 18. März 1848 / von Friedrich Wilhelm von Varchmin
Entstehung
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naſtaldirektor Dr. Auguſtin, nach dem Köllniſchen Gymna­ſium geeilt, vor welchem ſich die ſtärkſte aller erbauten Barrikaden hinzog, fiel Referendar v. Holtzendorff als ein beklagenswerthes Opfer leicht erklärlicher Irrungen, gleich nachdem das erwähnte Hinderniß durch das 1. Garde⸗Re­giment genommen worden war und einzelne Mannſchaften desſelben ſich blutige Bahn gebrochen hatten in die an­grenzenden Häuſer, aus denen auf das Militär geſchoſſen worden war. Eiliger und wohl auch weniger höflich als die Vorſicht gebot, war Referendar v. Holtzendorff den in das Köllniſche Gymnaſium eingedrungenen Soldaten ent­gegen getreten, die nun in ihrer leicht erklärlichen Strenge um ſo weniger einen Fehlgriff zu thun vermeinten, wenn ſie den in nicht höflicher Weiſe ſie Anredenden ohne Zögern über die Klinge ſpringen ließen, als Referendar v. Holtzen­dorff zu ſeinem Unglück durch einen ſtarken Vollbart, den zu jener Zeit beim Militär ſehr verhaßten ſogenannten Demo­kratenbart, verdächtigt ward. Daß auch einige Bürger Berlins an dem Straßenkampfe betheiligt geweſen ſind, ſoll durchaus nicht in Abrede geſtellt werden; ſie haben aber für alle Fälle beſſer verſtanden, ihr Leben zu ſalviren, als die armen verblendeten Arbeiter. Von gebliebenen Bürgern wußte jene Todtenliſte wenig oder nichts zu melden; es handelte ſich in ihr nur um Seidenwirker⸗, Schneider⸗, Schuh­macher⸗, Schmiede⸗ u. ſ. w. Geſellen, reſp. Lehrlinge, Haus­knechte, Arbeitsmänner, Maſchinenbauer und dem Aehnliches. Die Verluſte auf Seite des Militärs waren verhältnißmäßig nicht hoch zu nennen, da den hinter den Barrikaden kämpfen­den Aufſtändiſchen nur wenige Schußwaffen zur Verfügung geſtanden hatten. Tödtungen und ſchwere Verwundungen