63
Wer Urban, den Mann mit eiſenfeſtem Charakter, der aus ſeiner demokratiſchen Geſinnung nie ein Hehl machte, ihr auch treu geblieben iſt bis zu ſeinem Tode, perſönlich gekannt hat, der wird das ohne jede beſondere Verſicherung gern glauben.
———— Die Kunde von der Gefangennahme des General v. Möllendorff trug Verwirrung und Beſtürzung ins Königliche Schloß und erſchütterte vorzugsweiſe den König. Ihm war berichtet worden, daß man ſeitens der Aufſtändiſchen die Freilaſſung des General v. Möllendorf von der Zurückziehung des Militärs aus dem Schloß abhängig mache, letzte aber der Freilaſſung vorangehen müßte, ſo daß der König, beſorgt um das Schickſal des hoch in ſeiner Gunſt und Achtung ſtehenden Generals, zu deſſen baldiger Befreiung die Räumung des Schloſſes anbefahl.
Es erſcheint dieſe Maßregel auf den erſten Blick als ein ſchweres Wagniß! Ein Wagniß lag ja unbeſtreitbar darin; aber doch war die Größe deſſelben faſt bedeutungslos gegenüber einem andern Ereigniß, das ſich faſt unmittelbar an jenes anſchloß. Noch befanden ſich faſt ſämtliche Truppen des Garde⸗Corps, ja ſogar noch einige Linien⸗Regimenter, in Berlin oder doch ganz in der Nähe der Reſidenz. Es hätte alſo, wäre es nöthig geworden, dem letzten im Schloß befindlichen Militär, der Schloßwache, Beiſtand zu leiſten, nur weniger Minuten bedurft, um die erſte Hilfe herbeizuſchaffen. Der Weg in das Innere des Schloſſes und bis zum König hätte ſelbſtverſtändlich nur über die Leichen der geſammten Wachmannſchaften führen können, die ſeit dem Mittag des 18. März