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und bis hin zu demſelben Zeitpunkt des folgenden Tages, den hohen und ehrenden Beruf hatten, das Leben ihres oberſten Kriegsherrn vor jeder Gefahr zu ſchützen.—
Wie nun aber ein Fehler den andern, ein Verbrechen das andere erzeugt,— Alles ähnlich jenen immer neu entſtehenden, immer weiter werdenden Kreiſen, die ein in das trübe Waſſer eines Sees geworfener Stein verurſacht, ſo geſchah es auch mit der erſten Konzeſſion, die den Aufſtändiſchen am Morgen des 19. März gemacht wurde. Ein Fehler folgte dem andern, der folgende immer größer, als der vorangegangene! Erſt ſollte das Militär nur zurückgezogen werden aus ſeiner Stellung„gegenüber den Barrikaden“; ſchließlich jedoch kam es dahin, daß auch die Schloßwache abziehen und der letzte Hort des Königs ſchwinden mußte! Wie aber das unmöglich Scheinende, nämlich die Räumung der Schloßwache, dennoch ermöglicht worden iſt, darüber will ich dem geehrten Leſer alles dasjenige mittheilen, was ich theils ſelbſt erlebt, theils in Erfahrung gebracht habe.
Als General v. Möllendorff, den man auch dann noch nicht aus ſeiner Gefangenſchaft entließ, als bereits die Kunde von der Räumung des Schloſſes bis zum Schützenhauſe gedrungen war, mit ſicherem Blick die Gefahr erkannte, die dem König drohte, ließ er„Urban“ vor ſich kommen und bat und beſchwor ihn, ſchleunigſt Sorge tragen zu wollen für die Sicherheit des Staatsoberhaupts durch Beſetzung des Schloſſes mit einer ſtarken und zuverläſſigen Schaar von Mitgliedern der Schützengilde.
Urban war ein Starrkopf, ein Demokrat mit Leib und Seele; aber doch hätte er auch ſein Leben hinzugeben ver