EDEL
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Vorwort.
Zwanzig Jahre sind verstrichen, seitdem dieses Buch das Licht der Welt erblickt hat. Unter dem unmittelbaren Eindrucke der grausamen Judenverfolgungen der Jahre 1881—1882 hat Leo Pinsker die Feder ergriffen, um die Pathologie und Therapie des ‚achtzehnhundertjährigen Leidens des jüdischen Volkes zu schreiben. In wenigen, aber scharfen Zügen entwarf er ein treffendes Bild von ‚der jammervollen Lage der Juden und als scharfsinniger Arzt arbeitete er einen Plan für eine radikale Heilung aus. Klar und einfach wie die Wahrheit war seine Lehre: Mangel an politischer Einheit und nationalem
Selbstgefühl— die Krankheit; Autoemanzipation, Wiederherstellung eines jüdischen. Volkes auf eigenem Grund und Boden— das Heilmittel.
Und wie er sich’s gedacht, so ist es gekommen. Fast in allen Einzelheiten wird sein Arbeitsprogramm verwirklicht: die lebhaften Bestrebungen der Juden nach einer national-politischen Einheit, die Bildung eines Nationalkongresses als Zentrum dieser Bestrebungen, die Gründung einer Aktiengesellschaft zum Zwecke der Landeserwerbung, die Sammlungen zur Anschaffung eines unveräusserlichen Nationalgutes(Nationalfonds), die Erwirkung der Unterstützung der Regierungen zur Gründung der neuen Heimat— alle diese: zum Teil schon. erfüllten Postulate hat Pinsker in seinem herrlichen Buche formuliert. Leider war es ihm nicht vergönnt, die Ausführung dieser'seiner Ideen durch ausgezeichnete Männer unseres Volkes zu erleben.