einstigen Vaterlandes gerettet: die Gottesidee und die Bibel. Denn nur. diese sind es, welche ‚unser altes Vaterland zum heiligen Lande gemacht, nicht etwa Jerusalem oder der Jordan . Möglicherweise könnte das heilige Land auch unser eigenes werden. Dann umso besser, aber es muss vor allem festgestellt werden— und darauf kommt es nur an— welches Land uns überhaupt zugänglich und gleichzeitig geeignet ist, den Juden aller Länder, welche ihre Heimat verlassen müssen, eine sichere, unangefochtene, produktionsfähige Zufluchtsstätte zu bieten.
Wir verkennen nicht, dass die Erreichung dieses Zieles, welches die Lebensaufgabe unserer Nation ausmachen sollte, den grössten inneren. und äusseren Schwierigkeiten begegnen wird. Schwieriger aber als alles Andere wird schon die erste notwendigste Bedingung hierfür zu beschaffen sein: der nationale Entschluss. Denn leider, ein starres Volk sind wir. Wie leicht könnte eine konservative Opposition, von der die Geschichte unseres Volkes so vieles zu erzählen weiss, einen solchen Entschluss im Keime ersticken! Wehe dann unserer ganzen Zukunft!
Welch ein Unterschied zwischen Einst und Jetzt! Einmütig und in geschlossenen Reihen vollzogen wir einst einen geordneten Auszug aus Egypten, um einer schmachvollen Sklaverei zu entgehen und ein Vaterland zu erobern. Jetzt wandern wir aus als Flüchtlinge und Vertriebene, den Kazapenfusstritt auf dem Nacken, den Tod im Herzen, ohne einen Moses als Führer, ohne Verheissung eines Landes, das wir durch eigene Kraft zu besetzen bestimmt wären. Durch aller Herren Länder treibt man uns: hier eskortirt man uns mit aller Höflichkeit weiter, damit wir keine Pest verschleppen, dort werden wir im besten Falle irgendwo und irgendwie untergebracht, um frei und unbehelligt— mit alten Kleidern zu handeln, Zigaretten zu drehen, oder Stümper des Ackerbaues zu werden. Es war ein Euphemismus, wenn wir von Emigration sprachen. Beschämt und ratlos standen die Flüchtlinge an der Grenze und spähten mit ihren hohlen Augen nach Hilfe. Einige wenige Baracken und einige Tausende von Freibillets dienten quasi als Antwort!— Dann noch einige Repatriationstransporte, noch tausend bittere Enttäuschungen, und die Flut einer zu neuem Leben erwachten Volksbewegung wird zur Ebbe. Ringsum wird’s still und unsere wohltätigen Brüder im Westen begeben sich behaglich zur Ruhe. Der wogende See von gestern legt sich und verwandelt sich in den alten Sumpf mit dem alten kriechenden Gezüchte.
So drehen wir uns ratlos im verzauberten Kreise bereits seit Jahrtausenden und lassen das blinde Schicksal über uns walten! Denn die tausendjährigen Leiden haben aus uns nur ein Volk von„barmherzigen Brüdern“ gemacht, aber keine