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drängenden gewaltigen Eismassen überwunden werden. Die Beobachtungen ‚auf Grönland sind deshalb für uns von so großer Wichtigkeit, weil uns das dortige Inlandeis eine annähernde Vorstellung von der ehemaligen gewaltigen Vereisung des norddeutschen Flachlandes geben kann. Allerdings besteht darin wieder ein sehr wesentlicher Unterschied, daß das grönländische Inlandeis ein aus festem Fels gebildetes Gebirge überdeckt, während sich das Inlandeis in Norddeutschland auf den lockeren Ablagerungen der Tertiärformation und namentlich der aus den Sanden und Tonen mit eingelagerten Braunkohlenflötzen bestehenden miocänen Braunkohlenbildungen vorgeschoben hat.
Wir haben nun zu untersuchen, welche Beweise wir im‘| norddeutschen Flachlande für die ehemalige Inlandeisbedeckung vorfinden!)., Wir erkennen sie erstens in den Wirkungen, die das Eis bei seiner Fortbewegung auf den Unter
grund ausgeübt hat, zweitens aus der petrographischen Beschaffenheit und Struktur der Ablagerungen und drittens aus der Oberflächengestaltung Norddeutschlands.
Da feste anstehende Gesteine nur an wenigen Punkten
im norddeutschen Flachlande anzutreffen sind, so lassen sich hier die Einwirkungen des Inlandeises auf den festen Fels
1) Näheres hierüber, sowie über die einschlägige Literatur findet sich in: F. Wahnschaffe , Die Oberflächengestaltung des norddeutschen Flachlandes. 3. Auflage. Stuttgart . J. Engelhorn. 1909.‘
Von den Forschern, welche die Lehre von ‚der Eiszeit in Norddeutschland begründet und ausgebaut haben, mögen hier genannt sein: Berendt, H. Credner, Dames, Deecke, Gagel, E. Geinitz, Gottsche, Jentzsch, Keilhack, P. G. Krause, Penck, H. Schröder.