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Die Eiszeit in Norddeutschland / allgemeinverständlich dargestellt: Felix Wahnschaffe
Entstehung
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Charakteristisch für die gegenwärtige Ostseefauna ist Mya arenaria, nach der die noch jetzt fortdauernde Periode die Myazeit genannt wird.

Die Eiszeit hat im wesentlichen das Relief Norddeutsch­lands geschaffen, und die postglazialen Wasseransammlungen sind noch immer von der eiszeitlichen Bodengestaltung ab­hängig. In ihnen vollzog sich ein ausgedehnter Prozeß der Torfbildung¹), der gewöhnlich durch Flachmoorbildungen, die zunächst Sumpfgewächsen ihre Entstehung verdankten und dann von Erlen und Weiden besiedelt wurden, ein­geleitet wurde. Bei weiterer Aufhöhung dieser Flachmoore bildeten sich auf ihnen Zwischenmoore mit Waldbedeckung, 2 Bruchwälder aus Moorbirken und Kiefern. Unter dem feuch­ten Klima des Westens und der Küstengebiete fand die Torfbildung einen weiteren Fortgang durch die Entstehung der sich über den Grundwasserspiegel erhebenden, im wesent- 3 lichen aus Torfmoosen bestehenden Hochmoore. Ausge­dehnte Hochmoore bedecken die Niederungen des westlichen Norddeutschland, wo die reichlichen Niederschläge ihnen günstige Existenzbedingungen bieten. Im Osten sind sie auf die Küste des Memeldeltas beschränkt. Daß die Einsen­kungen der Urstromtäler mit Flachmooren erfüllt sind, ist in der weiteren Umgebung Berlins am Rhinluch bei Linum und dem großen Havelländischen Luch nördlich von Nauen ersichtlich.

Die Talsande der breiten Täler boten nach Ablauf des

1) Ausführlich behandelt in der 1907 bei G. Fischer in Jena erschienen kleinen Schrift; Der Grunewald bei Berlin, seine Geologie, Flora und Fauna von Wahnschaffe, Graebner, Dahl und Potonié.