Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
46
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Einleitung.

sinnig-läppische Wesen ausgedrückt, weshalb das Wort auch etwas verächtliches hat.

Mit Narren leben wird dir gar nicht schwer, Versammle nur ein Tollhaus um dich her;

Bedenke dann das macht dich gleich gelind Dass Narrenwärter selbst auch Narren sind.

Ist der Wahnsinnige stark erregt, besonders zornig erregt, so wird von Tollheit oder Raserei gesprochen. So erscheint wohl die Raserei als der höhere Grad der Krankheit. In Lila wird befürchtet, man möchte durch gewisse Einwirkungen die Krankeaus Wahn­sinn in Raserei werfen. Der Geisteskranke im Werther wird erst tiefsinnig, fällt dann'in ein hitziges Fieber, daraus in Raserei. Diese dauert ein Jahr, dann bleibt Schwachsinn mit Grössenvorstellungen bestehen.

Das Wort Verrücktheit wird selten von Kranken gebraucht. Die Geschichte von derpilgernden Thörin (la folle en pel&rinage) wird auch Geschichte von einem verrückten Mädchen genannt. Vielleicht soll das Wort hier nur folie übersetzen, es passt auf jeden Fall nicht, da das Benehmen der Pilgerin zwar wunderlich und unerklärlich ist, von Verrücktheit aber bei ihr nichts zu finden ist.

Dagegen spricht Goethe recht oft von Verrückt­heit oder verrückten Menschen, wenn er Querköpfig­keit, Absurdität meint. In diesem Sinne redet er ge­legentlich auch vonTollhäuslern, nennt z. B. Arnims so.

Auch das Wort Tollhaus wird oft gebraucht, z. B. an folgender Stelle:Denn von der Vernunfthöhe herunter