Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
152
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Allgemeines und Einzelnes.,

wurde, den Kranken verschiedenartige Gelegenheiten zur Thätigkeit darbot. Nach alledem ist eine besondere Weisheit in den Worten des Geistlichen nicht zu finden. Dass man weder Den, der die Bedingungen des Irreseins in sich trägt, durch die Maassregeln des Geistlichen vor Erkrankung bewahren, noch die Er­krankten durch sie heilen kann, das weiss man jetzt nur allzugut.

Die einseitig psychologische Auffassung der krankhaften Geisteszustände tritt auch in folgender Aeusserung zu Tage:Der Mensch ist als wirklich in die Mitte einer wirklichen Welt gesetzt und mit solchen Organen begabt, dass er das Wirkliche und nebenbei das Mögliche erkennen und hervorbringen kann. Alle gesunde Menschen haben die Ueber­zeugung ihres Daseins und eines Daseienden um sie her. Indessen giebt es auch einen hohlen Fleck im Gehirn, d. h. eine Stelle wo sich kein Gegenstand ab­spiegelt, wie denn auch im Auge selbst ein Fleckchen ist, das nicht sieht. Wird der Mensch auf diese Stelle besonders aufmerksam, vertieft er sich darin, so ver­fällt er in eine Geisteskrankheit, ahnet hier Dinge aus einer anderen Welt, die aber eigentlich Undinge sind und weder Gestalt noch Begränzung haben, sondern als leere Nacht-Räumlichkeit ängstigen und den, der sich nicht mehr losreisst, mehr als gespenster­haft verfolgen. Die Stelle klingt, als wäre sie in Verzweiflung über eine idealistische Philosophie ge­schrieben.

Originell ist die von Graf Baudissin mitgetheilte