Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Goethe ; Theil 1
Entstehung
Seite
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Die ‚Leipziger Krankheit.

alle gewohnte Ausdünstung unterdrückt wurde. Diese und andere Thorheiten, in Gefolg von missverstandenen Anregungen Rousseaus, würden uns, wie man ver­sprach, der Natur näher führen... Alles Obige nun, ohne Unterscheidung, mit unvernünftigem Wechsel an­gewendet, empfanden mehrere als das schädlichste und ich verhetzte meinen glücklichen Organismus dergestalt, dass die darin enthaltenen besonderen Systeme zuletzt in eine Verschwörung und Revolution ausbrechen mussten, um das Ganze zu retten. Ich habe mit Bedacht die lange Stelle hergesetzt. Wüsste man nicht, wer das geschrieben hat, so würde man sagen, dass ist die Anamnese eines Hypochonders. Man beachte die schweren Anklagen gegen den armen Kaffee.*) Abgesehen davon, dass Goethe in Leipzig wohl nicht allzustarken Kaffee getrunken haben wird, ist es doch ungeheuerlich, anzunehmen, Milchkaffee könne die Functionen der Eingeweide aufheben. Goethe will einfach sagen, er habe zu jener Zeit an Verstopfung gelitten. Seinen Zustand kennzeichnet Goethe auch dadurch, dass er meint, er sei damals seiner Umgebung durch widerliche Launen beschwerlich gewesen, er habe Alledurch krankhaften Widersinn mehr als ein­mal verletzt und die Verletzten störrisch gemieden. Im Ganzen wird eine Verstimmung geschildert, wie wir sie auch heute von nervösen jungen Leuten nicht

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*) Allerdings ist die Aeusserung vor dem Bruche mit ‚der Stein, ihre Missstimmung erkläre sich dadurch, dass sie wider Goethes Rath zu viel Kaffee getrunken habe, noch wunder­licher.

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